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Matthias Koch

Über Matthias Koch

Sport ist seine Leidenschaft: Matthias Koch ist Geschäftsführer des regionalen Internet-Sportportals AWesA. Der 32-Jährige studierte in Osnabrück Politik und Geschichte. Früher stand er regelmäßig im Fußballtor, hütete auch das Handballgehäuse. Heute guckt er (fast) nur noch zu. Und schreibt dann darüber.

Griese-Goal hat Berge versetzt

Was ein einziges Tor doch für Berge versetzen kann! Als es sich so mancher Hamelner am Sonntag ein kurzes Weilchen vor 18.50 Uhr auf seinem Fernsehsessel gemütlich gemacht hatte und auf den Sendestart der 1523. Lindenstraße-Folge wartete, herrschte in der Sporthalle zum Schulkamp im Mindener Stadtteil Stemmer alles andere als Gemütlichkeit. Harter Abstiegskampf in der 3. Liga der Handball-Damen war angesagt. Das Spiel zwischen dem HSV Minden-Nord und dem MTV Rohrsen hatte seinen letzten Zügen erreicht. Die Gastgeberinnen holten in Ballbesitz zum Knock-Out aus, zielten aber daneben. Und da ergriff Rohrsens routinierte Regisseurin das runde Leder, damit die Verantwortung und wuchtete die Kugel fünf Sekunden vor Abpfiff eiskalt ins HSV-Herz. Nina Griese ließ den Ball im Netz zappeln und sorgte mit ihrem goldenen Wurf für mehr als nur zwei Punkte. Dieser Treffer hatte Symbolcharakter. Dieses Tor ließ die nicht nur die Hoffnung auf den Klassenerhalt neu entflammen. Es rief vor Augen, dass sich Pech-Tränen und Glücks-Freude über eine Saison in der Regel ausgleichen. Dass Spiele in den Schlusssekunden eben auch gewonnen werden können. Zwar ist der MTV noch längst nicht über den Berg. Doch Grieses Last-Second-Goal wird entscheidende Impulse freisetzen. Im Kopf. Im Herz. Und auf der Platte.

Das Wetter trägt die kollektive Allein-Schuld

Eintracht Afferde ist Spitzenreiter der Kreisliga! Zwei Punkte Vorsprung hat die Haarland-Elf auf Verfolger MTV Lauenstein. Da bahnt sich ein heißer Frühling an. Spannung pur. Könnte man meinen. In Spalte eins einer Tabelle steht aber nun mal die Anzahl der absolvierten Spiele. Setzt man Punkte und Partien in Relation und vergleicht diese Daten dann mit anderen Mannschaften, sagt die Tabelle eines ziemlich klar aus – nämlich gar nichts! Während die Afferder schon 21 Mal auf Zählerjagd gingen, durften die Lauensteiner erst 17 Mal ran. Das macht einen Unterschied von zwölf potentiellen Punkten! Diese Ungleichheit zieht sich durch die komplette Tabelle. Ein weiteres Beispiel: Hätten die im Mittelfeld platzierten Teams aus Hagen und Klein Berkel ihre ausgefallenen Spiele gewonnen, würden sie nun ganz oben stehen. Das ist sind gewiss Spekulationen. Doch genau solche darf eine Tabelle in diesem Umfang nicht bieten!

Die Kreisliga steht symbolisch für die Folgen der etlichen Spielabsagen. Es gibt viele Beispiele. Etwa die Landesliga, in der die SG Hameln 74 in Abstiegsgefahr zu schweben scheint. Der punktgleiche HSC Hannover hat aber schon vier Partien mehr bestritten, der auf dem ersten Abstiegsrang liegende Garbsener SC ganze drei – und dabei schon vier Zähler Rückstand auf die Nordstadt-Kicker. Auch ist großer Raum für Ergebnis-Spekulation: Besteht die Bicknell-Elf ihre Nachhol-Einsätze mit Erfolg, ist noch Platz fünf drin. Hier steht derzeit ausgerechnet die SpVgg. Bad Pyrmont, die schon vier Spiele mehr absolviert hat. Der inoffizielle „Kreis-Champion-Titel“ ist also längst nicht vergeben.

Der Blick auf die Fußballtabellen ist jedenfalls unbefriedigend. Woran liegt’s?

Beispiel: „Staffelgrößen“. Auf dem Staffeltag vor der Saison wurde die Frage erörtert, die Kreisliga von 16 auf 14 Mannschaften zu verkleinern. Die Vereine lehnten ab, der NFV-Kreisvorstand überstimmte die Versammlung aber am 14. Juli 2014 und beschloss: Das Kreisoberhaus wird in der kommenden Saison auf 14 Teams reduziert. Das bedeutet: Zwei Spieltage weniger.

Beispiel: „General-Absagen“. Hat es in der Vergangenheit gegeben, in dieser Spielzeit aber nicht. Aus mehreren Gründen. Einige Vereine waren dagegen – vor allem die, die über Ausweichplätze verfügen. Und: Die Verantwortlichen sahen sich zuletzt immer wieder herber (teils unsachlicher) Kritik ausgesetzt, nachdem sie ganze Spieltage verschoben hatten. Verständlich, aber bedauerlich. Denn vereinzelte, flächendeckende Absagen würden die Verzerrung der Tabelle zumindest etwas hemmen.

Beispiel: „Spieltage an Feiertagen“. Der 1. Mai, Himmelfahrt und Pfingsten werden nur in Ausnahmesituationen für Nachholpartien besetzt. Pfingstsonntag ist der traditionelle Termin für das Kreispokal-Endspiel. Das muss auch so bleiben! Denn diese Tage gehören der Familie und/oder gemeinschaftlichen Aktivitäten – wie Mannschaftsfahrten und Wanderungen. Und die gehören zum Teamsport einfach dazu!

Beispiel: „Warum wurden Plätze früher nicht gesperrt?“. Klare Antwort: Weil es längst nicht so viele Mannschaften gab, die die Plätze beanspruchten. Dieses Argument fällt unter die Kategorie „früher war alles besser“. Auch in den 80er Jahren gab es Spielabsagen und geballte Nachholtermine. Hier und da herrschten allerdings bessere Rasenplatzbedingungen. Das lag schlicht und einfach daran, dass die zuständigen Kommunen mehr Geld zur Verfügung hatten. Auch für die Pflege ihrer Sportstätten.

Beispiel: „Saison von Frühling bis Herbst“. Eine Neuordnung der Punktspielzeit von März bis Oktober (mit kurzer Sommerpause) würde so manche Probleme lösen. Zumal in den „schönsten Jahreszeiten“ gespielt werden würde. Die Sache hat aber einen entscheidenden Haken. Sollte der Kreisverband Hameln-Pyrmont dieses Szenario verfolgen, wie könnten Aufsteiger dann im Bezirk untergebracht werden? Relegationsspiele im Juni wären nicht mehr möglich. Zudem würde sich der Basis- vom Leistungssport entfernen, weil es einen konträren Saison-Rhythmus gäbe. Probleme kommen aber schon jetzt von oben: 2022 soll die WM im Winter gespielt werden. Wenn in Quatar abends gespielt wird, ist es bei uns nachmittags. Welcher Kreis-Kicker will dann selbst auf dem Platz stehen, wenn die Nationalmannschaft zeitgleich um WM-Punkte kämpft?

Beispiel: „Doppelspieltage“. Für mich die entscheidende Lösung. Im August und September wird jeweils einmal am Freitag und Sonntag gespielt – und viele Probleme sind vom Tisch. Das wird auch die Zuschauer und Schatzmeister freuen. Die Belastung sollte ein Amateurfußballer aushalten. Bei einer 14er-Staffel gäbe es dann nur noch elf Spieltage in der zweiten Saisonhälfte. Eine Alternative gibt es ohnehin nicht. Denn: Auch ohne Doppelspieltage im Sommer kommen die „alle-zwei-Tage-wird-gespielt-Phasen“. Dann aber im April und Mai. Wenn die Plätze an ihre Belastungsgrenze gehen. So wie es jetzt einmal mehr der Fall ist.

Fazit: Eine kollektive Allein-Schuld trägt nur das Wetter. Hierauf werden aber weder Staffelleiter noch Vereinsvorsitzende Einfluss haben. 14er-Staffeln reichen, Doppelspieltage im Sommer müssen her! Weil sie ohnehin alternativlos sind und spätestens um Ostern kommen, wenn sie niemand haben will.

Griese-Goal hat Berge versetzt

Was ein einziges Tor doch für Berge versetzen kann! Als es sich so mancher Hamelner am Sonntag ein kurzes Weilchen vor 18.50 Uhr auf seinem Fernsehsessel gemütlich gemacht hatte und auf den Sendestart der 1523. Lindenstraße-Folge wartete, herrschte in der Sporthalle zum Schulkamp im Mindener Stadtteil Stemmer alles andere als Gemütlichkeit. Harter Abstiegskampf in der 3. Liga der Handball-Damen war angesagt. Das Spiel zwischen dem HSV Minden-Nord und dem MTV Rohrsen hatte seine letzten Zügen erreicht. Die Gastgeberinnen holten in Ballbesitz zum Knock-Out aus, zielten aber daneben. Und da ergriff Rohrsens routinierte Regisseurin das runde Leder, damit die Verantwortung und wuchtete die Kugel fünf Sekunden vor Abpfiff eiskalt ins HSV-Herz. Nina Griese ließ den Ball im Netz zappeln und sorgte mit ihrem goldenen Wurf für mehr als nur zwei Punkte. Dieser Treffer hatte Symbolcharakter. Dieses Tor ließ nicht nur die Hoffnung auf den Klassenerhalt neu entflammen. Es rief vor Augen, dass sich Pech-Tränen und Glücks-Freude über eine Saison in der Regel ausgleichen. Dass Spiele in den Schlusssekunden eben auch gewonnen werden können. Zwar ist der MTV noch längst nicht über den Berg. Doch Grieses Last-Second-Goal wird entscheidende Impulse freisetzen. Im Kopf. Im Herz. Und auf der Platte.

Das Strafmaß macht den Graben tiefer

Na, klar: Einen Vergleich mit Robert Hoyzer hätte Josef Selensky auf der Siegerehrung des Dewezet-Supercups nicht treffen dürfen. Er hätte Kritik üben, seine Meinung sagen können. Schiedsrichter Lukic in eine Schublade mit dem verurteilten Schiri-Betrüger aus Berlin zu stecken, war aber die Überschreitung einer Grenze, die eben nicht hätte überschritten werden dürfen.

Dass das Sportgericht nun zur Tat schreitet, war vorprogrammiert. Dass es zu einer Strafe kommen würde, auch. Das Strafmaß ist allerdings überzogen. Und zwar deutlich. Zumal dadurch kein Problem aus der Welt geschaffen wird, kein Umdenken stattfindet. Dieses Urteil hat nicht zum gegenseitigen Verständnis beigetragen. Es hat den ganz offensichtlich vorhandenen Graben zwischen Spielern und Schiedsrichtern tiefer, breiter, unüberwindbarer gemacht?

Warum hat es nicht eine Aussprache gegeben? Bei jedem kleinsten Problemchen wird ein „runder Tisch“ ins Leben gerufen. Wäre ein solcher in genau diesem Fall nicht auch endlich mal angebracht? Es wäre zumindest eine gute Gelegenheit, zur Sprache zu bringen, was falsch läuft. Auf beiden Seiten. Es muss doch diskutiert werden, wie man in Zukunft respektvoller miteinander umgehen kann. Das dürfte beiden Seiten am Herzen liegen. Denn miteinander reden ist immer besser als aus der Entfernung übereinander.

Das würde einen präventiven Sinn machen. Harte Strafen mögen in so mancher Situation Probleme lösen. Diese Strafe bewirkt aber genau das Gegenteil.

Santos, der Überflieger – in allen Belangen

Wer in der Sporthalle Kirchohsen tief durchschnappte, der schmeckte sie regelrecht: Bundesligaluft. Gummersbach und Hannover-Burgdorf zelebrierten Handball vom Feinsten. Und sie weckten Sehnsüchte. Ein Bedürfnis, wieder Erstligaatmosphäre im Weserbergland zu erleben. Nicht alle zwei Jahre. Sondern alle zwei Wochen. So wie in den 90ern in der Rattenfängerhalle. Denn eines fasziniert bei dieser Sportart besonders: Die Nähe zwischen Sportlern und Fans. Das wurde auch vor einer Woche in Emmerthal deutlich. Autogrammwünsche? Kein Problem! Selfies mit den Stars? Sofort! Ein kurzer Schnack? Ohne Weiteres! In Sachen Fan-Nähe könnte und sollte sich so mancher Fußballprofi bei Gelegenheit eine große Scheibe abschneiden. Oft geht es nach dem Abpfiff schnurstracks in Richtung Kabine. Da zeigte Österreichs Handball-Nationspieler Raul Santos wie geht. Der hätte genauso gut als sympathischer Kreisliga-Kicker durchgehen können. Nur dass kein Achtliga-Fußballer so hoch springen kann.

Es geht um gegenseitigen Respekt!

Jeder Cent des Eintrittsgelds war bestens angelegt. Denn der 8. Dewezet-Supercup hatte wirklich alles zu bieten: Überraschungen, tolle Tore, Stimmung und Randgeschichten. Leider aber auch Emotionen, die bei einem solch positiven Event nichts zu suchen haben. Für echten Zündstoff sorgte auch der Satz von 74-Kapitän Josef Selensky während der Siegerehrung: „Bis zum 2:0 lief alles gut, bis ein Robert Hoyzer kam.“ Darüber ist anschließend lebhaft diskutiert worden. Betrachtet man das Spiel im Nachgang ganz nüchtern, war es vor allem die Zwei-Minuten-Strafe gegen Selensky selbst, die Schiedsrichter Alexander Lukic falsch getroffen hat.

Als der SG-Spieler mit Bisperodes Daniel Krikunenko in vollem Lauf zusammenprallte, hatte er keine Chance auszuweichen. Vielmehr musste er seine ganze Kraft aufwenden, nicht mit dem Kopf gegen die Oberkante der Bande zu preschen. Das Gegentor zum 2:2 resultierte aber, als auch die Bisperoder einen Mann weniger auf der Platte hatten. Die Überzahl kam einzig zustande, weil TSV-Trainer Werner Brennecke Krikunenko für Keeper Robin Bartels als zusätzlichen Feldspieler installiert hatte. Und das Gegentor fiel nach einem kapitalen Fehler von SG-Torwart Frederik Quindt. Das zum Spiel selbst.

Die entscheidende Frage: Darf 20 Minuten später ein Vergleich mit Robert Hoyzer aufgestellt werden? Dem Schiedsrichter, der sich bestechen ließ und dem deutschen Fußball vor genau zehn Jahren massiv und nachhaltig schadete. Ein verurteilter Betrüger. Die klare Antwort: Nein!

Aber: Selensky hat damit zugleich einen wichtigen Stein ins Rollen gebracht. Er hat die Art und Weise angeprangert, wie manch Unparteiischer seine Rolle als Spielleiter interpretiert. Damit hat er einen wunden Punkt getroffen. Denn er hat ganz offensichtlich – auch das zeigen die Reaktionen – vielen Fußballern aus der Seele gesprochen.

Fest steht: Ein Dialog muss her – sachlich, kritisch, freundschaftlich. Weil nur durch Kommunikation abseits des Spielfeldes ein gegenseitiges Verständnis geweckt werden kann. Denn es geht dabei darum, dass eines schnellstens (wieder) her muss: Der gegenseitige Respekt! Das gilt für beide Seiten. Für Spieler und für Schiedsrichter.