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Eure Fragen zu: Kasachstan

Kasachstan liegt ganz frisch hinter uns und wir befinden uns jetzt im erstaunlich gemütlichen Novosibirsk, der Hauptstadt Sibiriens, die – ganz nebenbei – unsere neue Lieblingsstadt auf dieser Reise geworden ist. Jetzt ist also die Zeit, eure Fragen zu Kasachstan zu beantworten:

1) Hebammen leiden nicht selten unter geringem Ansehen, harter Arbeit und teuren Versicherungen. Wie es um den Beruf der Hebamme in Kasachstan bestellt?

Diese Frage lässt sich nicht so leicht beantworten, da wir unterwegs zwar eine Hebamme hätten gebrauchen können, an meinem absoluten Tiefpunkt, einer Lebensmittelvergiftung, aber ein schwer leidender Mann reicht dann wohl doch noch nicht aus :-). Generell lässt sich aber sagen, dass in Kasachstan, genau wie in ganz Zentralasien, nicht so viel Aufhebens um Dinge gemacht wird. Ich könnte mir vorstellen, dass es den Beruf gar nicht gibt, weil in kasachischen Augen „unnötiges Extra“, oder dass es nur wenige gibt, deren Dienste den sehr Reichen vorbehalten sind.

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2) In Hameln-Pyrmont liefen im Sommer einige Großereignisse wie das Bierfest, Lichterfest oder Pflasterfest. Gibt es in Kasachstan auch bestimmte Events, denen die Leute entgegenfiebern?

Es gibt wichtige kasachische Feiertage wie Neujahr, den Tag des Sieges oder  den Unabhängigkeitstag. Diese werden in der Regel ausgiebig gefeiert und zwar in speziellen Nationaltrachten und mit viel Tanz und Gesang. Nicht so sehr mit Bierbuden, Schlagermusik, dafür aber mit genau so vielen fettigen Leckereien wie bei uns!

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3) Der Gossip Hamelns ist zZt. Alexander Wessel, der von Prinz Frédéric von Anhalt nicht nur getraut, sondern auch adoptiert wurde? Gibt es in Kasachstan auch kuriose „Berühmtheiten“?

Kuriose Berühmtheiten sind hier die Mitglieder der Herrscherfamilie Nasarbajew. Laut Verfassung darf ein Präsident maximal zwei Amtszeiten regieren. Das hat Nursultan Nasarbajew selbst im Parlament durchgeboxt. Freilich gilt das aber nicht für ihn selbst, denn er ist Präsident auf Lebenszeit. Seine Kinder sind in machtvollen politischen oder wirtschaftlichen Toppositionen eingesetzt. Da es dem Land jedoch von Jahr zu Jahr besser geht, verzeihen die Menschen ihrem Herrscherclan so einiges, z.B. Menschenrechtskonventionen zu unterschreiben und in der gleichen Woche Dissidenten foltern zu lassen und die Medien gleichzuschalten.

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4) Eine Idee der Piratenpartei ist es, dass Hameln eine „essbare Stadt“ werden soll, es also öffentlich zugängöiche Obstbäume, etc. gibt, an denen man sich bedienen kann. Wie sieht es damit in Kasachstan aus? Kann man dort nach Lust und Laune öffentlich ernten oder wird das nicht so gern gesehen?

In Kasachstan gilt, wie in den meisten Ländern dieser Region: Wenn kein Zaun drum herum gebaut ist, dann kannst du machen was  du willst. Kletterst du über einen Zaun, bekommst du wahrscheinlich ein Problem auf vier Pfoten oder eine Bleivergiftung…

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5) Ein immer wieder beliebtes und oft typisch deutsches Thema ist die Mülltrennung. Wie läuft das so in Kasachstan?

Das Wort Mülltrennung ist nicht mehr existent, sobald man Deutschland über eine seiner Ostgrenzen verlässt und wird es danach auch nicht mehr. Die Frage müsste eigentlich lauten: gibt es eine Müllabfuhr? Und die Antwort könnte dann in etwa so aussehen: Möglicherweise, manchmal, an bestimmten Orten.

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Wir hoffen, wieder ein wenig Licht ins Dunkel gebracht zu haben und können jedem empfehlen, sich dieses Land anzuschauen, das überraschend modern und westlich ist und bei weitem nicht so „rückständig“ und „kriminell“, wie wir es zuhause immer gehört haben. Gleiches gilt übrigens für Russland, in dem wir uns gerade befinden. Wenn ihr also Fragen habt, wie immer her damit!

Eure Fragen zu: Kirgisistan

Wir verweilen momentan im nicht besonders schönen Osch, in Kirgisistan. Das ist eines der vielen „Was-weiß-ich-istans“ in Zentralasien, die man so schwer unterscheiden kann. Vielleicht kramst du jetzt etwas verlegen nach einem Atlas? Keine Sorge, ging uns genauso!

Ob Pferde gerne Benzin trinken? Jedenfalls treffen sie sich häufig an Tankstellen.

Ob Pferde gerne Benzin trinken? Jedenfalls treffen sie sich häufig an Tankstellen.

Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, möchten wir darum eine kleine Pause, während der wir auf Ersatzteile aus Deutschland warten, dafür nutzen eure Fragen zu dieser kleinen Insel der Demokratie beantworten inmitten der vielen Präsidialdiktaturen beantworten:

1) Ist der „Rattenfänger von Hameln“ in Osh ein Begriff?

Nein, das kennt hier niemand, außer andere Abenteuertouristen aus englischsprachigen Ländern, die kennen tatsächlich meistens den Pied Piper of Hamelin.

2) Einstimmiges Votum des Kreistages: Die Verwaltung ist beauftragt worden, den Breitbandausbau im Kreisgebiet mit Volldampf voranzutreiben. Wie sieht es mit der Internetverbindung in weiten Teilen Kirgisistans aus? Falls nicht so gut, leiden die Menschen darunter oder ist das keine große Sache?

Internet gibt es eigentlich nur in den großen Städten und davon gibt es genau zwei In Kirgisistan: Bischkek und Osch. Der Rest des Landes wird von kleinen, sehr ärmlichen Dörfern und Nomaden in Jurten bewohnt, die kein Internet haben, kennen und unseren Gesprächen mit ihnen zufolge auch nicht brauchen. Sehr erfrischend!

Welten treffen aufeinander: Pferd, Motorrad, Auto, Jurte.

Welten treffen aufeinander: Pferd, Motorrad, Auto, Jurte.

3) In Hameln-Pyrmont stehen am 11. September die Kommunalwahlen an. Welche Wahl steht in Osh/Kirisistan an?

Keine. Erst 2015 wurde das Parlament neu gewählt und ihm steht jetzt eine Sozialdemokratische Regierung vor. Anders als alle „Stans“ um sie herum, haben es die Kirgisen geschafft, nach einer pseudodemokratischen Phase als Nachfolge der Sowjetunion, ihren strengen Mann mit Allmachtsphantasien loszuwerden: 2010 gab es nach heftigen Unruhen den Sturz des Regimes und eine tatsächlich demokratische Verfassung, die bis heute gilt und dem Land eine echte Sonderrolle in dieser Region einräumt. Aber: das Land hat echte Probleme mit zerstrittenen Volksgruppen wie Krigisen, Uzbeken und Tadschiken. Außerdem kämpft das Land um seine religiöse Identität: Gemäßigte Muslime, orthodoxe Christen und eine wachsende Zahl Atheisten kämpfen gegen eine noch überschaubare aber größer werdende Gruppe radikaler Islamisten, was sich auch im Alltag zeigt. Wir sehen Frauen im knappen Dress und vollverschleierte Frauen, die sich gegenseitig feindselige Blicke zuwerfen. Wir sehen auch Plakate der Regierung, die Frauen im traditionellen Nationaldress und daneben Frauen in Burka zeigen, mit der Unterschrift: „Wo soll unser Land hingehen?“ Eine Kirgisin sagte zu uns, als wir erfreut berichteten, endlich mal wieder in einer Demokratie zu sein: „Ja das ist schön und gut, das Problem ist, dass hier jeder seine Meinung sagen darf, auch die Radikalen und dass wir Freiheit durch weniger Sicherheit erkaufen. Diese Debatte kennen wir doch irgendwoher…

Kirgisistan ringt um seine Identität und kämpft gegen wachsenden Islamismus.

Kirgisistan ringt um seine Identität und kämpft gegen wachsenden Islamismus.

4) Das Hamelner Rathaus gilt als äußerst sanierungs-, wenn nicht sogar neubaubedürftig. Wie sieht es in Osh aus? Gibt es da überhaupt ein Rathaus? Welchen Eindruck macht es?

Selbstverständlich hat Osch ein Rathaus. Es sieht nach altem Sowjet-Schick aus. Also hässlich :-)! Aber auf dem Dach weht eine riesige kirgisische Fahne – immerhin.

5) Das 16. Open-Air-Kino im Bürgergarten hat wieder viele Menschen angezogen. Gibt es in Osh sowas? Oder sind Kinos allgemein dort beliebt?

Wie in den meisten islamischen Ländern ist das Nacht- und Entertainmentleben im Vergleich zum Westen im Prinzip nicht existent. Laut Koran sind viele der Dinge, die wir als Spaß ansehen, wie Kinofilme „haram“, das heißt „Sünde“. Wenn auch diese Koraninterpretation laut der Muslime, die uns darüber aufgeklärt haben, Sache aktueller Deutungen und Strömungen ist, sehen das doch viele Gläubige so. Darum hat auch Kino hier ein gewisses „Geschmäckle“ unter der islamischen Mehrheit. Ein Einheimischer brachte es mit diesem Satz zum Ausdruck: „Die Regeln sind ganz einfach: wenn es Spaß macht, ist es haram!“ Was allerdings nicht heißt, dass es keine Kinos gibt! Allerdings darf man sie sich nicht so vorstellen wie bei uns, wie einen kleinen Palast mit Popcorn und Bier, sondern eher wie das alte Puschenkino mit den abgewetzten Polstern, das wir in ehrlichen Momenten urig fanden, aber auch ein bisschen eklig.

Eine ganz normale Straße in Osch.

Eine ganz normale Straße in Osch.

Nächster Stopp: Kasachstan. Fragen? Immer her damit, wir freuen uns auf eure Neugier!

Updates von Unterwegs gibt es auch auf:

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Moin Hameln!

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Wie bitte was? Wie bitte wer? Sie kennen mich vielleicht noch nicht. Aber ich bin gerade dabei, Sie kennen zu lernen. Wie mir das gelingen soll? Ganz einfach. Ich bin neu bei der Dewezet. Neu in Hameln. Ich habe viele Fragen, komme von weiter weg. Und zwar jeden Tag.

Das hat zwei Vorteile. Nummer eins: Hameln ist für mich neu, und damit all seine Aspekte. Seine guten Seiten. Die schlechten Seiten. Die Menschen. Ganz frisch, ganz anders. Und sicherlich mit etwas Humor und einem Blick durch die Hintertür.

Nummer zwei: Sie lernen mich kennen. Und ich dabei sie. Denn am Ende besteht auch Hameln aus Menschen, genauer gesagt Sie, Sie, und – ja genau, Sie dahinten auch. Kommen sie ruhig einen Schritt nach vorn.

Derzeit bin ich noch Pendler. Allein der Weg nach Hameln erzählt schon viele Geschichten: Die Dörfer, die Straßen, die Infrastruktur. Und – huch, da ist ja plötzlich ein Atomkraftwerk. Und die Weser.

Und warum läuft da ein bunt angezogener Mann mit einer Flöte durch die Innenstadt? Überhaupt: diese schöne Innenstadt. Und die vielen Touristen.

Ein bisschen habe ich mich jetzt schon in die Gassen verliebt.

Straßen sind grundsätzlich sehr spannend. Auch hier sehr gut nachzulesen.

Im Grunde steckt hinter jedem Pflasterstein eine Geschichte.

Sie sehen schon, es gibt viel zu sehen. Und zu lesen: denn hier wird regelmäßig darüber gebloggt, wie ich Sie kennen lerne.

Lassen Sie sich überraschen. Ich mache es auch!

Eure Fragen zu: Türkei

Über den Dächern Pergamons, auf einem holprigen kleinen Fußgängerweg..

Über den Dächern Pergamons, auf einem holprigen kleinen Fußgängerweg..

Kürzlich haben uns eure Fragen zur Türkei erreicht und jetzt, in Zentralanatolien, nach knapp 1.600 gefahrenen Kilometern auf türkischem Boden und unzähligen Türkisch-Englisch-Hand-und-Fuß-Gesprächen, sehen wir uns dazu in der Lage, euch halbwegs qualifizierte Antworten darauf zu geben. Und natürlich unsere persönliche Meinung, von der wir uns nie so recht befreien können – oder wollen. Also, los geht’s – eure Fragen, unsere Antworten:

1.)Wie sieht es mit der Infrastruktur in der Türkei (oder euer genauer Ort) bzgl. Straßensperrungen wegen evtl. Bauarbeiten aus? Sind die Straßen gut in Schuss oder gibt es reichlich Schlaglöcher?

Die Straßen sind sehr gemischt, allerdings mindestens europäischer Durchschnitt. In Albanien waren wir uns alle paar hundert Meter sicher, dass gleich das Federbein bricht, diese Angst begleitet uns in der Türkei nicht. Gerade das Autobahnnetz ist – wenn auch klein in Bezug auf die Anzahl der Verbindungen – perfekt in Schuss und fast immer dreispurig in jede Richtung mit wenig Verkehr. Toll! Allerdings sind uns die Mautautomaten ein Rätsel. Niemand hält dort an und wenn wir hindurch fahren, steht dort ein Betrag auf einem Bildschirm und ein Alarm ertönt. Allerdings gibt es nichts, wo man Geld einwerfen könnte. Wenn bald landesweit nach uns gefahndet wird, wisst ihr warum :-)! Die Schnellstraßen sind genauso gut und die kleineren Landstraßen dagegen recht holprig und nicht ungefährlich, da der Teer wie überall im Süden sehr heiß und rutschig werden kann.

Die Straßen sind nicht überall mies, sondern nur in Ausnahmefällen.

Die Straßen sind nicht überall mies, sondern nur in Ausnahmefällen.

So fährt es sich gut - fast schon langweilig für einen Endurofahrer!

So fährt es sich gut – fast schon langweilig für einen Endurofahrer!

Dreispurig und gut ausgebaut - die türkische Autobahn.

Dreispurig und gut ausgebaut – die türkische Autobahn.

2.)In Hameln soll aus dem Wienerwald ein „Haus der Wirtschaft“ entstehen. Gibt es in der Türkei auch streitbare, architektonische Gebäude, die die Bewohner nicht sonderlich schön finden? Oder Gebäude, die sie architektonisch gelungen finden?

Unser Eindruck war, dass es das Thema „schöne Gebäude“ oder „Architekturverbrechen“ hier gar nicht in der Form gibt. Ähnlich wie in Griechenland, wo das Leben dank des Wetters und der soziokulturellen Strukturen eher draußen unter Leuten und freiem Himmel stattfindet, macht man sich einfach nicht so viele Gedanken über das Erscheinungsbild des Eigenheims oder der umstehenden Gebäude. Ein Wohnhaus muss eben genau wie ein Bürogebäude seinen Job erfüllen und der ist längst nicht so hart wie in Deutschland, wo wir die meiste Zeit (auch gezwungenermaßen) im Innenraum verbringen. Ein weiteres Indiz dafür sind übrigens die besagten Innenräume selbst: Hier findet man kaum Bilder an den Wänden, oder ausladend viel Deko. Warum einen Lebensbereich vollstopfen und optimieren, den man so selten wie möglich nutzt?

Die Häuser gewinnen keinen Schönheitspreis, dafür gibt es häufiger mal eine Burg über den Dächern zu sehen. z.B. Pergamon :-)!

Die Häuser gewinnen keinen Schönheitspreis, dafür gibt es häufiger mal eine Burg über den Dächern zu sehen.

3)In Afferde hat sich ein Rentner, um die Bepflasterung einer Stellfläche zu verhindern, mit einem Stuhl auf eben diese gesetzt. Die Bauarbeiten konnten so nicht fortgeführt werden.
Gibt es in der Türkei ähnlich kuriose Fälle?

Wir haben uns erkundigt und diese und ähnliche Protestformen sind hier eher normal. Man beschwert sich durch Protest, in dem man sich wiedersetzt, oder man könnte sagen „kindlichen Trotz“ entgegensetzt. Allerdings sind die Behörden hier deutlich weniger zimperlich bei der Umsetzung ihrer Exekutivaufgaben. Im Zweifelsfall weiß man hier darum, wann es Zeit ist den Kopf einzuziehen und tut es dann auch. Das hängt auch mit dem politischen Umschwung zusammen, den Erdogan mit sich gebracht hat, jedenfalls haben uns das viele Einheimische so erklärt, die sich, je weiter westlich in der Türkei, desto stärker, stundenlang über ihren Präsidenten aufregen könnten. Die Türken sind sehr stolz auf ihre gesellschaftspolitischen Strukturen und fürchten um ihre Grundpfeiler, wie die strikte Trennung von Religion und Staat, persönlicher Freiheit und Demokratie. Protest, besonders in organisierter Form, ist in Zeiten gewaltsamer Niederschlagung von Demonstrationen auf dem Taksim Platz und der Erstürmung freier Nachrichtenredaktionen eher ein Wort geworden, das mehr geflüstert als umgesetzt wird.

Die türkische Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft ist enorm - genau wie die Bereitschaft, über Politik und die eigene Meinung zu sprechen.

Die türkische Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft ist enorm – genau wie die Bereitschaft, über Politik und die eigene Meinung zu sprechen.

Wir hoffen, dass unsere Antworten euch ein wenig mehr Einblick in dieses extrem gastfreundliche und gesellschaftlich tief gespaltene Land geben konnten und sind gespannt auf eure nächsten Fragen, wenn auf dem Stempel in unseren Reisepässen „Iran“ steht!

Zu dritt unterwegs und erster Umfaller

Seit Thessaloniki sind wir zu dritt mit Matthias unterwegs, mit dem wir gemeinsam in Richtung Wladiwostok aufbrechen.

Ja, ja, zu dem Umfaller kommen wir ja gleich :-)… In Thessaloniki und Rodopoli haben wir aber erst einmal die Gastfreundschaft von Ellis Familie genossen. Außerdem haben wir einen kleinen Ausritt mit Pferden am Strand von Kerkini unternommen, natürlich Stilecht in unseren Modeka Kombis und den Pharao Endurostiefeln. Dazu haben wir die Zeit genutzt, unser Mopped nach all den Umbauarbeiten noch einmal von einer Yamaha Werkstatt auf Herz und Nieren prüfen zu lassen. Alles war tip top, außer, dass das Ventilspiel und die Speichen angepasst, bzw. nachgezogen werden mussten. Nur gute Neuigkeiten also und das an Ellis Geburtstag, an dem sie von ihrem Cousin und ihren Cousinen typisch Griechisch mit einer sündhaft leckeren Torte überrascht wurde.

Und ja, jetzt kommen wir endlich zum Reißerischen :-)! Aber erst das Schöne: Chalkidiki ist zu dieser Jahreszeit noch verhältnismäßig leer, also haben wir uns nach kurzer Absprache mit unserem neuen Reisepartner Matthias darauf verständigt, Ellis Onkel und Tante zu besuchen, die seit kurzem eine Zweitwohnung am Meer auf der Halbinsel besitzen. Also noch einmal das Meer genossen, gut gegessen (diese Gastfreundschaft!) und dann den Weg gen Türkei angetreten. An einer Stelle meinte Matthias dann „hier müssen wir laut Navi links ab, sieht aber ziemlich abenteuerlich aus der Weg.“ Das war natürlich das Stichwort, genau dort entlang zu fahren. Wir sollten es nicht bereuen…

Auf dem groben Schotter mit teilweise unsportlich großen Rillen und nacktem Stein. Als es dann relativ Steil wurde in einer Kehre, hat Ben wohl ein bisschen zu wenig Gas gegeben und zack war die Maschine aus und die ganze Reisegesellschaft machte aus dem Stand „plumps“ und fiel auf die Seite. Leichte Beulen im Koffer, ein bisschen Benzin ausgelaufen, aber gute Laune, weil die Strecke wirklich Spaß gemacht hat. Auf die Frage: „Elli alles okay?“ kam dann auch nur ein „klar, das war cool, ich mache schnell ein Foto“. Also alles halb so schlimm und aus „die Stiefel sind zu schwer zum Laufen“ wurde ganz schnell „die sind perfekt, ich habe überhaupt nichts gemerkt beim Runterfallen“. Wir lieben sie spätestens seit heute :-)! Eine wichtige Erkenntnis war für uns außerdem: Unsere Heidenau K60 Scout waren nicht nur die richtige Entscheidung, sondern sind ein echter Segen: Grip und Laufsicherheit ein Traum, sowohl bei Kälte und Nässe, als auch auf dem heißen Spiegelasphalt in Thessaloniki. Aber auf dem Schotter erst. Und das mit voller Beladung und Sozia. Besser geht es nicht. Für die Motorradinteressierten unter euch hier auch nochmal Fotos von den Reifen nach knapp 2000 km überwiegend Autobahn. Jetzt wird vielleicht auch klar, warum die 15.000 bis 20.000 km Laufleistung nicht illusorisch sind.

Lasst es euch gut gehen und bis bald. Wir versuchen euch je nach Internetverfügbarkeit, immer auf dem Laufenden zu halten!

Ancona – Igoumenitsa: eine sportliche Überfahrt!

Am Montag morgen (23.05.2016), wollten wir eigentlich gemütlich an den Gardasee fahren, dort einen Abend und eine Nacht lang das tolle Panorama genießen, um dann am nächsten Tag ebenso gemütlich nach Ancona zu tuckern, eine Nacht im schönen Sirolo zu verbringen und dann die Fähre nach Igoumenitsa nehmen. Denkste! Unser Navi hat uns einen Streich gespielt und sich zu allem Überfluss gesagt: der Feind meines Feindes ist mein Freund, also hole ich mir auch noch das schlechte Wetter mit ins Boot. Gegen die geballte Wucht von streikendem Navi und fiesem Dauerregen kamen wir nach einer schlaflosen Woche nicht an und haben kurzerhand die Segel gestrichen. Heißt: Eine weitere Nacht bei Freunden am Chiemsee schlafen (die leider nicht da waren) und acht Stunden am Garmin herumwerkeln, das partout nicht benutzerfreundlich sein möchte. Kurz vor 23 Uhr ging es dann schließlich wieder, auch wenn es weiterhin aus Eimern goss. Genau wie am nächsten morgen übrigens. Aber es musste weitergehen, wegen Zeitdrucks jetzt in eins durch vom Chiemsee bis nach Ancona.

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Wasser, Marsch!

WIr lieben Etiketten mit der Aufschrift „wasserdicht“, weil es uns ein Gefühl von Komfort und Sicherheit einflüstert. Wie naiv wir doch noch heute sind :-)! Von sieben Taschen, die wir mit uns führen, waren lediglich zwei tatsächlich wasserdicht und zwar die Qbag Sturzbügeltaschen, die sich nach einer Nacht im Freien und zwei Stunden Fahrt durch dichten Starkregen trotzig ihre Trockenheit bewahrten. Und zwar während unsere Koffer als Waschbecken herhalten konnten und unsere Goretex Handschuhe regelmäßig ausgewrungen werden mussten,

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Die Route

Zurückgelegte Strecke: Chieming – Ancona: 821 Kilometer

Per Fähre IT- GR: Ancona – Igoumenitsa: ~900 Kilometer

 

Besonderheiten: Starkregen von Deutschland bis Italien. Der Brenner hat sich bisher noch immer als die Wetterbarriere schlechthin entpuppt. Mittlerweile setzt sich bei uns die Theorie durch, dass alles nördlich des Brenner eigentlich als wettertechnisch unbewohnbar eingestuft werden muss. Schließlich haben wir bis heute noch keine Überfahrt bei Sonnenschein gehabt.

Die Minoan-Lines Fähre hat uns wirklich vom Hocker gehauen, was die Preise betrifft. Beispiel gefällig? „Sie möchten das Wifi nutzen? Es kostet 8,50 Euro pro Stunde, die Verbindung ist aber sehr langsam und wenn es nicht funktioniert, bekommen Sie leider kein Geld zurück!“ – Schon klar. Kleiner Tipp ür eure eigenen Überfahrten: Entscheidet euch für Cholera (Anek Lines) statt Pest (Minoan Lines) wenn ihr übersetzen wollt. Dagegen kann man sich nämlich impfen und kriegt keine schwarzen Flecken, wenn das Internet dort 2 Euro die Stunde kostet. Hach, erste Welt Probleme…

Apropos erste Welt Probleme: Nachdem wir am Vortag über 800 km auf dem Bock saßen (der Hintern ist dran geblieben – tolle Sitzbank!), konnten wir weitere 16 Stunden rumsitzen auf dem Schiff nicht ertragen und haben uns die 10 Euro für zwei Stunden Fitness Center an Bord ohne Reue gegönnt. Teuer aber gut investiert. Zugegeben, wir sind Sportfreaks und das mag in unserer Ausprägung seltsam erscheinen, aber wenn man jeden Tag 12 Kilometer joggt und den Tag mit 10 Minuten Fitnessübungen beginnt (ursprünglich übrigens um unsere obligatorischen Junge-Leute-Gebrechen am Rücken zu bekämpfen – dank unserem super Physio Jürgen), ist tagelanges Sitzen die Pest. Also rauf auf die Geräte und schwitzen. Toller Nebeneffekt: Auch verdreht wie eine Festtagsgirlande nach einem Hurrikan auf fünf Flugsitzen liegend, haben wir geschlafen wie kleine Mädchen nach dem Sandmännchen.

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Oh, wie schön ist Griechenland!

Diese Zeilen entstehen übrigens gerade in Griechenland, genauer gesagt in Lichnos bei Parga (deutlich ruhiger und beschaulicher). Wir haben uns nach der Überfahrt von Italien dazu entschlossen einen Tag Pause am Strand einzulegen, um den Stress der letzten Tage und Wochen ein wenig abfallen zu lassen und etwas für euch zu schreiben. Dazu könnt ihr auch unser Zelt sehen und wie unser mobiles Zuhause aufgebaut und eingerichtet aussieht. Nach drei Tagen des Versagen beim richtigen Auspacken, Einpacken und Einräumen ist es halbwegs zufriedenstellend für uns. Falls ihr gerade in trübem Wetter sitzt, was in Deutschland recht wahrscheinlich ist, können die Bilder unter diesen Zeilen euch ja vielleicht ein wenig die Laune verbessern. In diesem Sinne frohes Fernweh und viele Grüße von euren beiden Weltreisenden :-)!

Es geht los – endlich auf Reisen!

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Gestern ging es endlich los. Wir haben paradoxerweise die gesamte Familie und die angereisten Freunde vom Haus von Bens Bruder und seiner Schwägerin verabschiedet (inklusive Bens Bruder und Schwägerin…) und uns dann kurz darauf selbst auf die Socken gemacht – natürlich viel später als geplant und sind dementsprechend kaputt nach 700 Kilometern am Chiemsee angekommen. Für uns war das irrerweise die erste echte Testfahrt mit der Maschine, an der wir am Tag vor der Abreise noch letzte Umbauarbeiten vornehmen mussten. Aber bis zum Chiemsee hat sie schon mal gehalten :-)! Die letzte Woche vor der Abreise war wirklich nervenaufreibend. Nicht nur wegen der vielen Arbeiten am Motorrad und den generellen Vorbereitungen, sondern vor allem wegen der vielen Abschiede…

Abschied von den Kollegen

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Während Elli schon länger Urlaub hatte und sich „nur“ von ihrem tollen Chef verabschieden musste, musste ich mich nicht nur von meiner tollen Chefin verabschieden, sondern auch von all meinen liebgewonnenen Kollegen beim DRK, auch wenn ich nur knappe sechs Monate mit ihnen zusammengearbeitet habe. Ich wurde von ihnen allen am vorletzten Tag mit einem Buffet verabschiedet und am letzten Tag mit Geschenken, Blumen und vielen notwendigen Umarmungen – wenn ihr das lest: ihr seid klasse und ich bin heute noch gerührt von eurer Herzlichkeit!

Abschied von der Familie

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Wir schreiben hier bewusst Familie und nicht „Familie und Freunde“, weil wir an unserem Abschiedsabend (das obige Foto ist vom harten Kern, der bei uns geschlafen hat und zum ausgedehnten Frühstück geblieben ist) mal wieder gemerkt haben, dass wir tolle Freunde haben, die wir genauso vermissen werden, wie unsere geliebte Family. Es war einfach ein schöner Abend, der uns ein bisschen hat wehmütig werden lassen über das, was wir zurücklassen in nächster Zeit und wie immer: warum haben wir nicht mehr Zeit mit der (erweiterten) Familie verbracht? Wir werden euch alle vermissen und haben viele nette Gründe zurück zu kommen :-)!

Fernweh plus Probleme

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Das Fernweh war bei obigem Sonnenuntergang besonders schlimm und antreibend. Noch schlimmer sind allerdings die kleinen Problemchen, die sich wirklich häufen. Z.B. hat unser Navi beschlossen, nicht mehr richtig zu funktionieren und den zweiten Reisetag mussten wir zugunsten von 8 Stunden vor dem Rechner sausen lassen, um das Navi fit zu bekommen (danke, Garmin für deine „Benutzerfreundlichkeit“…). Konsequenz: Am dritten Reisetag vom Chiemsee bis Ancona durchfahren, um die Fähre noch zu bekommen – gibt schönere Motorradrouten…

Die Weiße Frau und der kalte Hauch

 

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„Morgen ist Vollmond. Lass uns zur Geisterstunde ins Moor gehen und uns etwas gruseln“ – niemals zuvor hatte ich eine solche Einladung bekommen. Sie klang sonderbar, hatte aber ihren Reiz. Denn: Seit meinen Reisen nach Transsilvanien, Anfang der 1990er Jahre, beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Aberglaube und mit rumänischen Geschichten von angeblich ruhelosen Seelen, den sogenannten Strigoi. Es ist ein ebenso faszinierendes wie verstörendes Thema. Auf dem Balkan glauben viele Menschen noch heute fest an die Existenz dieser Wiedergänger. Im Jahr 2005 holten Bewohner des Dorfes Marotinu des Sus einen Mann, den sie für einen Strigoi hielten, aus seinem Grab. Sie schnitten das Herz aus dem Leichnam, verbrannten es auf einem Blechteller, lösten die Asche in Wasser auf und tranken die Lösung.

Nun, das Weserbergland ist nicht Siebenbürgen. Und dennoch ist der Aberglaube auch hier verbreitet. Man spricht nur nicht so gern darüber. Kein Witz: Britische Soldaten sahen und spürten im Offizierskasino der Hamelner Scharnhorst-Kaserne über Jahre hinweg einen guten Geist. Sie nannten ihn „Casino“ und erzählten sogar Ihrer Majestät Königin Elizabeth II davon.

Gibt es paranormale Phänomene im Land der Sagen, Märchen und Mythen? Zunächst dachte ich: Sicher wirst du für verrückt erklärt, wenn du dich zur Geisterstunde aufmachst, um im Heyener Moor eine Weiße Frau zu suchen. Ich habe es trotzdem gemacht, obwohl ich nicht an Gespenster und blutsaugende Vampire glaube. Ich denke: Nur, wer sich auf etwas Ungewöhnliches einlässt, sammelt Erfahrungen und kann später davon berichten.

Die Bedingungen schienen gut zu sein. Vollmond – das versprach aschfahles Licht, lange Schatten und eine gespenstische Atmosphäre. Am Abend zogen jedoch Wolken auf. Bis kurz vor 23 Uhr war der Mond nur als heller Fleck hinter dem dunklen Gewölk zu sehen. Als wir den mystischen Ort zwischen Heyen und Esperde erreichten, hatten sich die Wolken glücklicherweise verzogen, strahlte der volle Mond vom sternenklaren Himmel. Um in der Finsternis nicht für Wild gehalten zu werden, zogen wir uns Warnwesten über. Ein Jäger hatte uns diesen Tipp gegeben. Sicher ist sicher.

imageDer Vollmond hatte einen Hof. Man sagt, das sei ein Zeichen für einen Wetterumschwung. Überhaupt ranken sich um den Erdtrabanten viele Legenden. Er raube uns den Schlaf, mache uns aggressiv und treibe uns in den Wahnsinn, heißt es. Auf Englisch heißen Wahnsinnige „lunatic“ (Luna – in der römischen Mythologie die Mondgötting). Wissenschaftler sprechen sogar vom Tansylvania effect. Es gibt unzählige Studien, durch die nichts davon bestätigt wurde. In Vollmondnächten gibt es demnach weder vermehrte Fälle von Wahnsinn noch erhöhte Kriminalitätsraten. Aber was ist schon nachweisbar? Es gibt Kräfte, die wir nicht sehen können. Wir wissen: Erde und Mond ziehen sich gegenseitig an. Vereinfacht gesagt: Wenn sich der Mond um die Erde dreht, dann „beult“ die Erde an dem Punkt aus, wo sie dem Mond am nächsten ist. So entstehen Ebbe und Flut. Von all dem spüren wir nichts, aber diese enormen Schwerkräfte existieren dennoch.

Auf dem Weg zum Heyener Moor hören wir einen Kuckuck rufen. Ungewöhnlich zur Nachtzeit, finde ich. Mir fällt der alte Kinderreim ein: „Kuckuck, Kuckuck, sag mir doch, wie viele Jahre leb‘ ich noch?“ Bei den alten Slawen, heißt es, galt der Kuckuck als Verkörperung der Göttin des Lebens und des Frühlings, der Fruchtbarkeit und der Liebe. Manche sagen auch, wenn der Kuckuck beim Sonnenuntergang ruft, heißt es auch Tod, Unglück und Teuerung.

Die Äste der Bäume werfen Schatten auf Felder und Wege. Grillen zirpen. Ein Exemplar ist besonders laut. Irgendwo im Dorf bellt ein Hund. Frösche quaken. Ein Bächlein plätschert. Nächtliche Idylle. Das erste Tier, das wir schemenhaft sehen, ist ein Käuzchen. Es fliegt davon, ohne zuvor gerufen zu haben. Kurz danach hören wir unheimliche Geräusche und halten kurz inne. Es hat sich angehört, wie ein Schnarren. Ein Wildschwein? Es muss ein größeres Tier sein, denken wir. Zum Vorschein kommt es aber nicht. Am Ende des Weges erreichen wir einen großen abgestorbenen Baum. Im Mondlicht sieht der tote Riese schon ein wenig gruselig aus. Eine Fledermaus umkreist uns zweimal. Unheimlich ist es an diesem Ort nicht. Vielleicht hätten wir ein anderes Gefühl, wenn jetzt Nebelschwaden über die kleine Moorfäche wabern würden. Die Weiße Frau zeigt sich natürlich nicht.

Wir setzen uns und lassen die Stille auf uns wirken. Rote Lichter der Windkraftanlagen blinken in der Ferne. Eine Nachtigall singt. Mücken sind zum Glück nicht unterwegs. Auf diese kleinen Blutsauger können wir auch gut verzichten. Wir sind eingetaucht ins Reich der Mythen und der Phantasie. Ich denke an die „Geisterjäger“ vom Ghosthunter Explorer Team, die extra vom Bodenseekreis nach Bad Pyrmont gekommen sind, um in der ehemaligen Bomberg-Klinik paranormalen Phänomenen auf den Grund zu gehen. Und an Geschichten über Zwischenwelten und magische Momente. Gänsehautfeeling will sich nicht einstellen. Unheimlich ist uns nicht zumute – ganz im Gegenteil: Es macht Spaß, sich auf etwas Neues, etwas Verrücktes, einzulassen. Dennoch sind unsere Sinne geschärft. Wir sind hellwach. Unsere Ohren nehmen jedes noch so leise Geräusch wahr. Kein Wunder, denke ich. Es ist ein ja auch ein ungewöhnlicher Ort und eine ungewöhnliche Recherche.

Null Uhr. Geisterstunde. Der Zeitpunkt, an dem zwei Tage aufeinandertreffen. Es ist schon erstaunlich: Die meisten unter uns glauben nicht an Gespenster. Schon klar. Aber das Wort Geist ist fest in unserem Wortschatz verankert. Wir sind manchmal von allen guten Geistern verlassen – und wir sprechen von der Geisterstunde, als würde es sie wirklich geben.

Etwas ist sonderbar: Um 0.12 Uhr spüren wir beide zur selben Zeit einen eisigen Luftzug. Es wird mit einem Mal unangenehm kalt. Als ich gegen 23 Uhr aus dem Auto gestiegen bin, zeigte das Thermometer noch 17,5 Grad an. Und während unserer kleinen Wanderung durch Heyener Moor fühlte ich mich zu dick angezogen. Und jetzt? Was ist das? Ein Temperatursturz? Es fühlt sich zumindest so an. Wir stehen auf, verlassen das Moor. Es fröstelt uns. Gespensterjäger behaupten ja, Geister würden Energie aus der Umgebungsluft abziehen. Dadurch werde es kälter. Auf dem Rückweg machen wir noch ein paar schaurig-schöne Fotos. Das Selfie will nicht auf Anhieb gelingen. Immer wird auf dem Monitor kurz vor dem Betätigen des Auslösers ein technisches Problem angezeigt. Julia muss herzhaft lachen, ich kann mir die Fehlermeldungen nicht erklären. Es braucht sechs Anläufe – dann klappt es endlich.

Gegen 1 Uhr sitzen wir in unseren Autos. Mit Spannung schaue ich auf das Thermometer. Ist es wirklich kälter geworden? Ich bin erstaunt: Die Temperatur hat sich laut Anzeige kaum verändert. Das Gerät zeigt 17 Grad an. Bei Julia ist das anders: 13 Grad. Es gibt dafür wohl nur zwei Erklärungen: Mein Thermometer ist kaputt. Oder: Der Geist der Weißen Frau begleitet nur einen von uns.