Das Wetter trägt die kollektive Allein-Schuld

Eintracht Afferde ist Spitzenreiter der Kreisliga! Zwei Punkte Vorsprung hat die Haarland-Elf auf Verfolger MTV Lauenstein. Da bahnt sich ein heißer Frühling an. Spannung pur. Könnte man meinen. In Spalte eins einer Tabelle steht aber nun mal die Anzahl der absolvierten Spiele. Setzt man Punkte und Partien in Relation und vergleicht diese Daten dann mit anderen Mannschaften, sagt die Tabelle eines ziemlich klar aus – nämlich gar nichts! Während die Afferder schon 21 Mal auf Zählerjagd gingen, durften die Lauensteiner erst 17 Mal ran. Das macht einen Unterschied von zwölf potentiellen Punkten! Diese Ungleichheit zieht sich durch die komplette Tabelle. Ein weiteres Beispiel: Hätten die im Mittelfeld platzierten Teams aus Hagen und Klein Berkel ihre ausgefallenen Spiele gewonnen, würden sie nun ganz oben stehen. Das ist sind gewiss Spekulationen. Doch genau solche darf eine Tabelle in diesem Umfang nicht bieten!

Die Kreisliga steht symbolisch für die Folgen der etlichen Spielabsagen. Es gibt viele Beispiele. Etwa die Landesliga, in der die SG Hameln 74 in Abstiegsgefahr zu schweben scheint. Der punktgleiche HSC Hannover hat aber schon vier Partien mehr bestritten, der auf dem ersten Abstiegsrang liegende Garbsener SC ganze drei – und dabei schon vier Zähler Rückstand auf die Nordstadt-Kicker. Auch ist großer Raum für Ergebnis-Spekulation: Besteht die Bicknell-Elf ihre Nachhol-Einsätze mit Erfolg, ist noch Platz fünf drin. Hier steht derzeit ausgerechnet die SpVgg. Bad Pyrmont, die schon vier Spiele mehr absolviert hat. Der inoffizielle „Kreis-Champion-Titel“ ist also längst nicht vergeben.

Der Blick auf die Fußballtabellen ist jedenfalls unbefriedigend. Woran liegt’s?

Beispiel: „Staffelgrößen“. Auf dem Staffeltag vor der Saison wurde die Frage erörtert, die Kreisliga von 16 auf 14 Mannschaften zu verkleinern. Die Vereine lehnten ab, der NFV-Kreisvorstand überstimmte die Versammlung aber am 14. Juli 2014 und beschloss: Das Kreisoberhaus wird in der kommenden Saison auf 14 Teams reduziert. Das bedeutet: Zwei Spieltage weniger.

Beispiel: „General-Absagen“. Hat es in der Vergangenheit gegeben, in dieser Spielzeit aber nicht. Aus mehreren Gründen. Einige Vereine waren dagegen – vor allem die, die über Ausweichplätze verfügen. Und: Die Verantwortlichen sahen sich zuletzt immer wieder herber (teils unsachlicher) Kritik ausgesetzt, nachdem sie ganze Spieltage verschoben hatten. Verständlich, aber bedauerlich. Denn vereinzelte, flächendeckende Absagen würden die Verzerrung der Tabelle zumindest etwas hemmen.

Beispiel: „Spieltage an Feiertagen“. Der 1. Mai, Himmelfahrt und Pfingsten werden nur in Ausnahmesituationen für Nachholpartien besetzt. Pfingstsonntag ist der traditionelle Termin für das Kreispokal-Endspiel. Das muss auch so bleiben! Denn diese Tage gehören der Familie und/oder gemeinschaftlichen Aktivitäten – wie Mannschaftsfahrten und Wanderungen. Und die gehören zum Teamsport einfach dazu!

Beispiel: „Warum wurden Plätze früher nicht gesperrt?“. Klare Antwort: Weil es längst nicht so viele Mannschaften gab, die die Plätze beanspruchten. Dieses Argument fällt unter die Kategorie „früher war alles besser“. Auch in den 80er Jahren gab es Spielabsagen und geballte Nachholtermine. Hier und da herrschten allerdings bessere Rasenplatzbedingungen. Das lag schlicht und einfach daran, dass die zuständigen Kommunen mehr Geld zur Verfügung hatten. Auch für die Pflege ihrer Sportstätten.

Beispiel: „Saison von Frühling bis Herbst“. Eine Neuordnung der Punktspielzeit von März bis Oktober (mit kurzer Sommerpause) würde so manche Probleme lösen. Zumal in den „schönsten Jahreszeiten“ gespielt werden würde. Die Sache hat aber einen entscheidenden Haken. Sollte der Kreisverband Hameln-Pyrmont dieses Szenario verfolgen, wie könnten Aufsteiger dann im Bezirk untergebracht werden? Relegationsspiele im Juni wären nicht mehr möglich. Zudem würde sich der Basis- vom Leistungssport entfernen, weil es einen konträren Saison-Rhythmus gäbe. Probleme kommen aber schon jetzt von oben: 2022 soll die WM im Winter gespielt werden. Wenn in Quatar abends gespielt wird, ist es bei uns nachmittags. Welcher Kreis-Kicker will dann selbst auf dem Platz stehen, wenn die Nationalmannschaft zeitgleich um WM-Punkte kämpft?

Beispiel: „Doppelspieltage“. Für mich die entscheidende Lösung. Im August und September wird jeweils einmal am Freitag und Sonntag gespielt – und viele Probleme sind vom Tisch. Das wird auch die Zuschauer und Schatzmeister freuen. Die Belastung sollte ein Amateurfußballer aushalten. Bei einer 14er-Staffel gäbe es dann nur noch elf Spieltage in der zweiten Saisonhälfte. Eine Alternative gibt es ohnehin nicht. Denn: Auch ohne Doppelspieltage im Sommer kommen die „alle-zwei-Tage-wird-gespielt-Phasen“. Dann aber im April und Mai. Wenn die Plätze an ihre Belastungsgrenze gehen. So wie es jetzt einmal mehr der Fall ist.

Fazit: Eine kollektive Allein-Schuld trägt nur das Wetter. Hierauf werden aber weder Staffelleiter noch Vereinsvorsitzende Einfluss haben. 14er-Staffeln reichen, Doppelspieltage im Sommer müssen her! Weil sie ohnehin alternativlos sind und spätestens um Ostern kommen, wenn sie niemand haben will.

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