Die Partyzentrale

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Traumhafte Lage zwischen Schloss und Wasser: Der EuroClub in Stockholm.

Jamie-Lee feiert ja bekanntlich nicht so gern und ruht sich lieber für ihren großen Auftritt im Hotel aus. Andere Teilnehmer wollen dagegen jede Minute Eurovisions-Atmosphäre aufsaugen. Der beste Ort dafür ist der EuroClub – die Partyzentrale eines jeden ESC. Hier kommen jeden Abend akkreditierte Fans, Presse und Delegierte zusammen, um zu feiern zu fachsimpeln oder neue Leute aus aller Welt kennenzulernen. Nirgends ist dies einfacher als hier: „Wer ist dein Favorit in diesem Jahr?“, „Wie wird dein Land abschneiden?“, „Was hältst du von Österreich?“ gehören zu den beliebtesten Einstiegsfragen für tiefgründige Diskussionen.

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Gut 6,50 Euro kostet ein Bier im EuroClub – für schwedische Verhältnisse ist das günstig.

Und schnell sind sich Pedro aus Spanien, Jill aus England und Ron aus Israel einig, dass am russischen Beitrag in diesem Jahr kein Weg vorbei führt, man aber lieber Frankreich als Gewinner sähe. Der Club selbst ist eine zweigeschossige Zeltkonstruktion direkt vor dem Stockholmer Schloss mit Blick auf die Halbinsel Skeppsholmen. Tagsüber ist ein Teil als EuroFanCafé für alle offen, abends können sich bis zu 5000 Musikfreunde auf zwei Tanzflächen mit Bühnen nach Herzenslust austoben. Die DJs spielen fast ausschließlich ESC-Musik, auch auf die Gefahr hin, sich zu wiederholen. Egal.

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Die dänische Band „Lighthouse X“ war in den ersten Tagen regelmäßig im EuroClub zu sehen.

Der griechische Gewinnersong von 2005 ist auch zum dritten Mal innerhalb einer Stunde ein echter Crowdpleaser. Mit Beginn der Halbfinals kommen auch immer mehr Fans aus aller Welt in Stockholm an und machen die Parties zu großen Klassentreffen. Man kennt sich aus den Jahren zuvor und freut sich über das große Wiedersehen.

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Auf der israelischen Party werben unter anderem Rykka aus der Schweiz (oben), Nicky Byrne aus Irland (mitte) und der Franzose Amir (unten) für sich und ihre Songs.

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Höhepunkte einer jeden EuroClub-Nacht sind aber die Auftritte aktueller und früherer ESC-Stars. Zoë Straub aus Österreich lässt sich beispielsweise jeden Abend von der frenetisch jubelnden Menge feiern, ihr bonbonbunter Beitrag „Loin d’ici“ kommt offensichtlich bei den Fans sehr gut an. Für sie und die anderen Künstler, die hier auftreten, ist die Bühne nicht nur eine Möglichkeit, Multiplikatoren zu erreichen und ihre Chancen beim Voting zu erhöhen – einmal ein richtiger Star sein, sich feiern lassen und in grenzenloser Bewunderung baden, dieses Erlebnis kann man später noch seinen Enkeln erzählen. Schließlich sind für viele nach dieser Partywoche die berühmten 15 Minuten Ruhm auch schon wieder vorbei.

Wer etwas auf sich hält, darf als aktueller Teilnehmer auf keinen Fall einen Auftritt auf der
israelischen Delegationsparty versäumen. Die beliebteste Veranstaltung der ganzen Woche findet immer am Montag statt, wer nicht ohnehin für den Club akkreditiert ist, versucht irgendwie auf die Gästeliste zu kommen. Bei landestypischen Häppchen geben sich der Ire Nicky Byrne, der Weißrusse Ivan, die Schweizerin Rykka, die Albanerin Eneda Tarifa, Zoë Straub und der Franzose Amir die Klinke in die Hand und wärmen mit ihren live gesungenen Songs die Masse für den israelischen Teilnehmer Hovi Star auf. Das ESC-Publikum ist dabei sehr dankbar, spendet jedem Künstler frenetischen Applaus und singt textsicher jede Zeile mit – egal, ob man jemals die jeweilige Sprache gelernt hat oder nicht.

Selbst, wer mit der Musik an sich nichts anfangen kann, ist spätestens nach zwei Tagen von dieser grenzenlosen Begeisterung und dem friedlichen Aufeinandertreffen von Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen fasziniert. Das diesjährige Motto des ESC, „Come together“, könnte nicht passender umgesetzt werden.

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