Durch den wilden Balkan

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Ich hab’s wieder getan, bin in den Flieger gestiegen, um Antworten zu finden. In dieser Woche begleite ich die Politiker des Innenausschusses des Niedersächsischen Landtags auf einer Reise durch den Balkan. Dafür habe ich mir Urlaub genommen. Die Landtagsverwaltung hatte mich schon vor einiger Zeit gebeten, als „sachkundige Auskunftsperson“ dabei zu sein, denn: Es geht bei dieser Informationsreise auch um das Thema „Humanitäre Hilfe“. Interhelp, dessen Vorsitzender ich bin, hat auf diesem Gebiet „viel Erfahrung“. Dieser Meinung ist der heimische SPD-Landtagsabgeordnete Ulrich Watermann, dem ich die Einladung zu verdanken habe. Bulgarien und Rumänien in sechs Tagen.

Wir werden Städte und Dörfer in der geschichtsträchtige thrakischen Ebene, in der Walachei und in Transsilvanien besuchen. Wir werden hochrangige Politiker, Staatsanwälte und Polizisten treffen, das berühmt-berüchtigte Flüchtlingslager Voenna Rampa bei Sofia besuchen und uns mit der Sicherung der EU-Außengrenze, mit der Flüchtlingskrise, dem organisierten Verbrechen und der Korruptionsbekämpfung in diesen beiden EU-Ländern beschäftigen. Die Politiker aller Parteien – der heimische CDU-Abgeordnete Otto Deppmeyer ist auch darunter – werden heute in Pazardzik zwei Kinderprojekte anschauen, die ich initiiert habe und die mit Spenden aus dem Weserbergland verwirklicht wurden: das „Haus für Kinder in Not“ und das Integrationsprojekt für die Roma-Kinder von Aleko, die noch vor wenigen Jahren auf einer stinkenden und brennenden Müllkippe nach Essensresten und Wertstoffen gesucht haben. Der Rotarier und Interhelper Thomas König aus Hameln hat jüngst Geld gesammelt, um in den kommenden fünf Jahren 16 Kinder täglich mit einer warmen Mahlzeit versorgen zu können.

Der DRK-Ortsverein Burgwedel, allen voran Dietmar Warda, engagiert sich ebenso wie die Rotary Clubs Bad Pyrmont, Hameln und Pazardzik. Es sind diese Mitglieder von Vereinen und Serviceclubs, die das Herz am rechten Fleck haben und das Projekt am Laufen halten. Diese Kinder hätten ohne Förderung keine Chance. Ohne Schulbildung bekommen sie keinen Job. Die Folge: Viele Mädchen prostituieren sich, viele Jungen werden kriminell. In Aleko lernen die Kinder. Ihre bettelarmen Eltern lassen sie zur Schule gehen, weil sie – den Spendern sei Dank – nicht für das Essen ihrer Kinder aufkommen müssen.
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Gestern Abend habe ich meinen alten Freund Atanas Krastin nach vielen Jahren wiedergesehen. 2001 war er Leiter des Pressereferats der Bulgarischen Botschaft in Berlin. Inzwischen arbeitet er im Rang eines Botschafters im Außenministerium in Sofia. Atanas stammt aus Pazardzik. Er hat mir damals den Weg gewiesen. Ich bin sehr gespannt auf das, was mich erwartet.

One thought on “Durch den wilden Balkan

  1. Ich finde es immer gut, wenn etwas für Kinder in ihren Herkunftsländern getan wird – gesunde Nahrung, Bildung, Gesundheitsversorgung, das ist sehr wichtig.
    Aber Integrationsprojekt für Roma… da muss ich jetzt doch mal nachfragen.
    Ein Verwandter hat gute Bekannte in Serbien/Kroatien. Diese erzählen, daß schon so viel versucht wurde, um den Roma zu helfen, sowohl in Sozialismuszeiten als auch in den letzten Jahren. Eigentlich wolle man sie nicht diskriminieren. Man übergab ihnen angeblich ganze Stadtteile zum wohnen, welche in kürzester Zeit vermüllten. An ihren vielen Kindern, bzw. deren Bildung hätten sie selber auch kaum Interesse, usw.. Wie ist das zu erklären? Dieses Volk wohnt schon so lange in den osteuropäischen Ländern, was ist nur mit den Roma los?
    Ich hoffe, daß es diese Roma-Kinder aus dem Projekt schaffen werden, ihre Chance zu nutzen und ein gutes Leben zu führen.

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