Idomeni: Hundertmal „Ich weiß es nicht“

In den letzten Monaten haben mich Hunderte von Fragen zum Thema „Flüchtlinge“ beschäftigt. Fragen meiner Kinder zum Beispiel, die mir unvermittelt am Abendbrottisch gestellt wurden. Fragen, die sich in unzähligen Gesprächen mit Freunden ergaben. Aber auch Fragen von Lesern, die angesichts einer internationalen Krise, die plötzlich die eigene Haustür passiert hatte, Anteil nahmen, interessiert, besorgt und oft auch wütend waren.image

Viel zu oft war die Antwort dieselbe: Ich weiß es nicht. Zahlen lassen sich recherchieren, Ereignisse und Zusammenhänge im lokalen Kontext gut umreißen und darstellen. Alles, was eine Heimatzeitung täglich tut: Es funktionierte auch dieses Mal. Nur ist es mir dieses Mal nicht genug.

Manche Fragen, die (auch) vor Ort beschäftigen, sind zu groß, um sie aus der Ferne oder nur anhand ihrer Auswirkung im lokalen Umfeld erschöpfend zu beantworten. Sie verdienen mehr unmittelbare Nähe und mehr persönliche Aufmerksamkeit. Es reicht nicht, ihnen allein durch Nachdenken zu begegnen.image

Wie ist es, zu fliehen? Schaffen wir das? Müssen wir das überhaupt schaffen? Was geht uns diese Krise an? Was ist der richtige Weg, damit umzugehen?

Alle Antworten, die ich bis jetzt gefunden habe, sind gedachte. Sie entstehen im Kopf – und treffen den Kern der Sache nicht. Das Leid der anderen, das jetzt zu unserer Herausforderung geworden ist, muss nicht nur durchdacht werden, sondern schmerzen, wenn man nach angemessenen Antworten sucht.

Ich bin froh, wenigstens auf eine Frage schon jetzt eine Antwort gefunden zu haben, die mich zufriedenstellt.

Warum Idomeni? Weil es sein muss.

 


 

 

 

 

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