Im Camp der Gestrandeten

Gewitterstimmung in Idomeni – es grummelt, kracht und donnert. Mal Regen, mal Sonne. So oder ähnlich fühlen wohl auch mehrere Tausend Flüchtlinge, die an der griechisch-mazedonischen Grenze gestrandet sind.

 

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Es ist ein Wechselbad der Gefühle. 30, 40 Tage oder schon länger harren sie auf Bahnschienen und auf Äckern aus. Sie gehen nicht weg von diesem Ort, weil sie zuversichtlich sind, dass der Grenzzaun doch noch geöffnet wird. Das Prinzip Hoffnung lässt sie nicht völlig verzweifeln.

imageEine griechische Ärztin, die in einem Transporter des Gesundheitsministeriums Kranke behandelt, hat gehört, dass viele glauben, das Warten habe schon morgen ein Ende. Wer das Gerücht in die Welt gesetzt hat – die Internistin zuckt mit den Schultern. Kaum jemand möchte im armen Griechenland bleiben. Dabei sind alle in Sicherheit und in der EU. Doch Deutschland lockt. Dort gebe es Hilfen, eine Wohnung, Arbeit – und das meiste Geld, meinen die, mit den wir gesprochen haben. Oft sind die Ehemänner schon in Deutschland. Deren Frauen und Kinder möchten so schnell wie möglich nachkommen. Voller Ungeduld sitzen sie vor der Grenze – und warten ab. Es gibt aber auch diejenigen, die aufgeben haben, die es leid sind, länger zu warten. Sie lassen sich in staatliche Flüchtlingslager bringen. imageHeute wird wieder ein Bus mit Syrern nach Alexandria fahren. 500 bis 800 Flüchtlinge können dort aufgenommen werden. „Ich hoffe sehr, dass es in Alexandria besser sein wird“, sagt Ayad. Die 21-Jährige ist einfach nur müde und will weg von diesem plattgetretenen Acker.
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In der Zeltstadt ist es ungewöhnlich ruhig. Die Stimmung ist gut. Männer grillen Auberginen, Frauen machen Konserven heiß. Dicke Bohnen in Tomatensoße sind beliebt. Kinder spielen Fußball. Junge Leute lachen. Wildes Campen – fast schon romantisch. Alles verläuft in geordneten Bahnen. Die Zeltstadt ist nicht verdreckt. image image imageEs gibt Dixi-Klos und Duschcontainer. Nur hier und da riecht es streng nach Urin und Schweiß. Obwohl es regnet, versinken wir nicht im Schlamm. Der Boden ist mittlerweile festgetrampelt. Wir hatten Schlimmeres erwartet. Die griechische Ärztin nickt. „Ich auch“, sagt die junge Frau. Sie sei angenehm überrascht. Freilich kommt kein Urlaubsfeeling auf. Privatsphäre gibt es kaum. image image

Über uns kreist seit Stunden ein Polizeihubschrauber. Die Heli-Cops schauen sich jede Menschengruppe aus der Luft genauer an. Als wir heute früh zu Fuß von Evzoni nach Idomeni unterwegs ins Camp der Gestrandeten waren, wurden auch wir zweimal von dem blauen Helikopter umrundet und argwöhnisch beäugt. Den Weg ins Zeltlager haben wir uns selbst gesucht. Es ging durch ein Wäldchen, vorbei an Feldern. Aber auch auf vielbefahrenen Straßen sind wir kilometerweit gelaufen. Julia hat die Führung übernommen – und wir haben unser Ziel erreicht. Google Maps und Smartphone sei Dank. Jetzt qualmen meine Füße, schmerzt mein Rücken. Was müssen nur die Flüchtlinge auf ihrem langen Weg nach Westeuropa aushalten. image Neue Schutzsuchende kommen so gut wie gar nicht mehr nach Idomeni. Nur sehr selten kämen hier noch ein paar Neue an“, sagt George, ein Freiwilliger aus Holland, der gemeinsam mit Gleichgesinnten täglich 20 Kisten Bananen einkauft und die Früchte dann im Camp verteilt. Die Polizisten, die wir an der Zufahrt zum Camp treffen, grüßen uns nett. Julia hat mit Flüchtlingen gesprochen, die ihr berichtet haben: „Die Polizisten sind hier wirklich freundlich.“
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Hinter dem verfallenen und vermüllten Bahnhof von Idomeni, in dem ein paar Familien mit kleinen Kindern hausen, treffen wir zwei Ärzte von Humedica. Sie behandeln in einem Partyzelt und in einem Mercedes Sprinter. „Wir machen hier hausärztliche Versorgung“, sagt der Anästhesist Felix Martin aus Bremen. image

Die sei effektiv, nachhaltig und sehr wichtig. Denn: „Wenn die Menschen ihre Krankheiten verschleppen, bekommen sie ein richtiges Problem. Das wollen wir verhindern“, sagt der junge Arzt. 12000 bis 15000 Menschen sollen sich in der Zeltstadt aufhalten. 30 Prozent seien wohl Kinder. „Gefühlt ist jede zehnte Frau schwanger“, meint Martin. Exakte Zahlen gibt es nicht. Es sind nur Schätzungen. Im Camp werde ganz dringend ein Zahnarzt benötigt. Er müsse aber improvisieren können und kurz und schmerzlos Zähne ziehen, sagt Felix Martin. Eine Gynäkologin oder eine Hebamme wären auch vonnöten. Seit drei Wochen hilft Humedica an diesem trostlosen Ort. 120 Patienten kommen im Durchschnitt täglich in die Sprechstunde. Mal mehr, mal weniger. Viele kleine und große Hilfsorganisationen arbeiten in Idomeni. imageOhne die Helfer würde das Camp wohl kaum existieren. Heute Nacht werden wir einen zwielichtigen Ort aufsuchen und investigativ recherchieren – mal sehen, was wir herausfinden.image image image image

3 thoughts on “Im Camp der Gestrandeten

  1. Sehr geehrte Reporter vor Ort,

    erzählen sie uns immer noch das Märchen, dass alle Flüchtlinge lieb sind, große Augen haben und sich im Kindesalter befinden?

    In Hameln sind gerade am Busbahnhof 15 syrische Männer aufeinander losgegangen. Scheinbar sogar mit Schlagstöcken bewaffnet.

    Die Einbruchs- und Ladendiebstahlszahlen befinden sich auf einem Allzeithoch.

    Das Sicherheitsgefühl der Bürger in Hameln ist verändert. Die Menschen fühlen sich bedroht. Nicht jeder hat – wie Angela Merkel – 12 Leibwächter. Die Menschen kaufen sich CS- und Pfefferspray.

    Sogar die Syrer befürchten, dass einige böse Gestalten als Flüchtlinge herübergekommen sind.

    Mittlerweile ist ja sogar bekannt, dass viele der Attentäter von Paris und Brüssel getarnt als Flüchtlinge über Griechenland einreisten.

    Genauso ist bekannt, dass es bundesweit Probleme mit der Integration gibt.

    1. Sehr geehrter Herr Artmann,

      vergleichen sie immer Äpfel mit Birnen und werfen alles in einen großen Topf um es zu einem undifferenzierten Brei zu verquirlen?

      Die Beispiele, die Sie heranziehen, gab es in dieser Form schon immer. Ich erinnere mich an massive Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Türken in Hameln in den 90er Jahren, um nur ein Beispiel zu nennen. Bitte machen Sie eine jahrzehntelang verfehlte Integrationspolitik nicht zu einem Instrument gegen humanitäre Hilfe.

      Frau Niemeyer und Herr Behmann sind nach Idomeni gefahren, um genau diese Fragen, die Sie offensichtlich umtreiben, zu beantworten. Und zwar ungefiltert und objektiv. Dass es nicht in Ihr Bild der Flüchtlingskrise passt, dass dort tatsächlich gerade unzählige Menschen leiden und Hilfe benötigen, ändert nichts an dieser Tatsache.

      Und die Art und Weise, wie Sie diese Berichterstattung beurteilen, erinnert mich doch stark an „Lügenpresse, Lügenpresse!“ schreiende Vollidioten und hirnverbrannte Vollhonks, die Angst vor einer „Islamisierung“ haben.

      Dass Integration eine schwere Aufgabe ist, haben wir schmerzlich seit den 50ern lernen müssen. Aber sollte man nicht aus Fehlern lernen? Tun wir das nicht gerade? Machen wir nicht gerade alles besser, was wir in der Vergangenheit beim Umgang mit Migranten völlig falsch gemacht haben?

      Und nur ganz am Rande: Integration wird vielleicht durch Politik angestoßen und gefördert. Aber gelebt wird sie durch uns. Und so lange es engstirnige, kleingeistige Ignoranten und Egomanen gibt, wird es nicht funktionieren. Wenn Sie also ein Problem mit der Integration haben, fangen Sie bitte bei sich selbst an. Und damit meine ich nicht, dass Sie zum Islam konvertieren oder Ihrer potentiellen Tochter ein Kopftuch umhängen sollen. Damit meine ich, dass man „fremdartigem“ auch durchaus offen gegenüberstehen kann, ohne seine eigene Identität aufzugeben. Um sich sinnvoll zu integrieren, muss man sich auch willkommen fühlen. Und noch heute werden in HM z.B. türkischstämmige Menschen in der dritten Generation als „fremd“ betrachtet. Das macht es nicht unbedingt einfacher, sich anzupassen.

      Und ganz zum Schluss etwas persönliches:
      Auf einen solchen Artikel mit billigen Populismusphrasen zu antworten, zeugt nicht unbedingt von Weitsicht. Ich wünsche Ihnen, nur für ein paar Tage, dass Sie mit einem männlichen Flüchtling (oooh, sind ja alles nur Männer!!!), der mittlerweile in Deutschland angekommen ist, tauschen würden. Mal schauen, wieviele Gedanken Sie sich über die Anpassung an die fremde, deutsche Lebensweise machen würden, wenn Ihre Frau und Ihre Kinder, Ihre Eltern oder Großeltern, die Sie nach Ihrer Ankunft eigentlich direkt nachholen wollten, gerade im Schlamm verrotten…

  2. Sehr geehrter Herr Ide,

    Sie rücken mich in die Nähe von Rechtspopulisten, nur weil ich der Meinung der Regierung widerspreche – haben Sie das in einer Demokratie gelernt? Bin ich der Klassenfeind?
    Die aktuellen Probleme basieren nicht auf Jahrzehnten falscher Politik. Sondern auf dem größten Politikfehler der Bundesrepublik.
    Begangen im August 2015 von der deutschen Bundeskanzlerin, die sich über alle europäischen Gesetze hinweggesetzt hat und erklärt hat: Europas Grenzen sind offen. Sie hat entschieden europäische Gesetze wie Dublin-III zu brechen und so kamen bis zu 200.000 Menschen pro Monat in Deutschland an.

    Das hat ganz Europa unter Druck gesetzt.

    Heute weiß man, dass die Flüchtlinge nicht um ihr Leben gelaufen sind, sondern dass sie ausschließlich in die Wohlfahrtsparadiese Deutschland und Schweden wollten. Nur dort wollten sie einen Asylantrag stellen.

    Wir haben in dieser Woche vom Chef der Bundesagentur für Arbeit erfahren, dass 85 Prozent der Flüchtlinge vermutlich nie arbeiten werden. Er sagt, die Flüchtlinge werden nicht die Facharbeiter von morgen und auch nicht unser demografisches Problem lösen.
    http://www.deutschlandfunk.de/interview-der-woche.867.de.html

    Es ist deshalb eine ganz wichtige Frage, zu klären: Wie viele Flüchtlinge, will unsere Gesellschaft aufnehmen, denn die Flüchtlinge werden auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung leben.
    Eine weitere Frage ist: Sind wir weiterhin bereit, alle Flüchtlinge aufzunehmen, die sich einen Schlepper leisten können oder sollte unsere Gesellschaft angesichts der zahlreichen Gewalttaten (derzeit vor allem noch untereinander) lieber eine eigene Auswahl treffen?

    Herr Ide, Menschen wie Sie, versuchen andere Menschen vom Denken und Diskutieren abzuhalten. Ihrer Ansicht nach soll die Kanzlerin über all das entscheiden.
    Herr Ide, Sie haben sich persönlich, entschieden, das eigenständige Denken und Entscheiden aufzugeben.

    Ich möchte die Menschen hingegen ermutigen, eigene Entscheidungen zu treffen.

    Die Bürger sollen diskutieren, ob sie es für sinnvoll halten, dass in ihrem Heimatort plötzlich 500 neue Menschen ankommen, von denen 425 in den nächsten 10 bis 20 Jahren auf Kosten der Steuerzahler leben werden.

    Und sie sollten auch aus der Zeitung erfahren, dass diese 500 Menschen keine große Bereitschaft zur Integration zeigen, kein Mitglied in einem Vereinen werden und eine antiwestliche Erziehung genossen haben, die sie noch immer prägt.

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