In eigener Sache

2015-09-25 15_46_30-Epaper - Internet Explorer

Wir haben viel diskutiert in den letzten Tagen in der Redaktion. Darüber, wie wir die „Wirklichkeit“ in der Flüchtlingsfrage möglichst umfassend abbilden können. Wir wissen, dass es nie nur eine Wirklichkeit gibt. Aber erreichbar ist immerhin eine Vielfalt an Standpunkten. Vorausgesetzt, wir wenden nicht aus wohlmeinender Furcht, Vorurteile und Ressentiments zu bedienen, zu früh den Blick ab. Das sollten wir nicht tun. Wir sind Journalisten und sollten schreiben, wie es ist.

Was heißt das? Das heißt, dass wir in dieser Woche auch darüber berichtet haben, dass ein Obdachloser vor dem Tor der Flüchtlingsunterkunft lauthals Alarm schlägt, weil er sich auch als Opfer sieht und sein Schicksal gegen das der Flüchtlinge aufrechnet. Wir lassen ihn zu Wort kommen, geben ihm eine Stimme, obwohl er Wasser auf die Mühlen der Neidrhetorik gießt, die sich derzeit gegen Flüchtlinge wendet. Aber seine Stimme ist Teil der Wirklichkeit. Und damit Teil der Berichterstattung.

Und wir wissen, dass die Woge der Hilfsbereitschaft nur die halbe Wahrheit ist. Auf der anderen Seite der Medaille werden Sorgen und Ängste sichtbar, die viele Menschen umtreiben – im Stillen oder dauerempört auf Facebook. Wir wenden uns auch diesen Themen zu, versuchen eine Einordnung. In der heutigen Ausgabe geht es um die Perspektiven auf dem Wohnungsmarkt, demnächst um die Angst vor Wohlstandsverlusten. Nehmen uns die Flüchtlinge tatsächlich etwas weg? Viele Menschen bewegt diese Frage – wir greifen sie auf, suchen nach Antworten. Ohne jede Voreingenommenheit gegenüber den Menschen, die der Not entflohen sind. Aber auch ohne Tabugrenzen und überschießende Sozialromantik.

2015-09-25 14_52_43-Tageszeitung, Ausgabe_ 090100 - Dewezet Hauptausgabe, vom_ Freitag, 25. Septembe

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