Liebesgrüße aus Salzhemmendorf

Highway Signpost "Shitstorm"

„Is doch immer so das die nur scheisse labern“, erleichtert sich eine Besucherin auf unserer Facebook-Seite. „Bild Nivou“ lautet ein anderer, orthografisch ebenfalls etwas unentschlossener Eintrag. Oder kurz gesagt: „Dreckszeitung“. Die Komplimente galten uns, der Dewezet. Was war geschehen?

Nach dem Brandanschlag in Salzhemmendorf hat die Redaktion nach Antworten gesucht: Wer macht so etwas? Was sind das für Typen? Profile in den sozialen Netzwerken geben darüber Aufschluss. Sie lassen erkennen, wie ihre Urheber sich selbst inszenieren, wie sie öffentlich gesehen werden möchten. Facebook ist ein großes Schaufenster. Unter anderem zitierten wir aus einer Konversation zwischen Sascha D. und Dennis L. aus dem Jahr 2013, die zeigt, wie selbstverständlich die Tatverdächtigen einer Sprache der Gewalt frönten. „Schlagt sie tot“, sagt der eine mit drei Ausrufezeichen, „für manche Menschen hätte eine Dusche aufbleiben sollen“, entgegnet der andere. Wer totgeschlagen oder vergast werden soll, bleibt unklar. Die Redaktion wies darauf hin, dass dies aus dem auf Facebook sichtbaren Dialog nicht hervorgeht.

Und dann geht die Post ab. In den Kommentarspalten empört man sich gewaltig, die mutmaßlichen Täter seien doch gar keine Nazis, und überhaupt: Man dürfe nicht über sie schreiben, wenn man sie nicht persönlich kenne. Immerhin, jetzt war klar, woher der Shitstorm weht: vor allem aus dem Dunstkreis von Dennis L. und Sascha D., befeuert mitunter von echten Geschwistern im Geiste, inklusive NPD-Like auf der eigenen Seite. Der Schwall der Entrüstung mündete in dem Argument: Totgeschlagen werden sollten doch nur diejenigen, die giftige Hundeköder auslegen, keine Flüchtlinge, das müsse man doch auch als dummlabernde Lügenpresse begreifen.

Ehrlich gesagt:  Wir begreifen es nicht. Es ist uns sogar ziemlich egal, wer hier zur Strecke gebracht werden sollte: Tiermörder, Kinderschänder, wer auch immer in der rechten Szene gerade das bevorzugte Opfer ist, ausgewählt, um Applaus aus der Mitte der Gesellschaft zu erhaschen. Darum geht es gar nicht. Es geht um die Verherrlichung der Gewalt an sich, unabhängig davon, gegen wen sie sich richtet. Es gibt keine guten Totschläger, es gibt nur schlechte. Ist das so schwer zu verstehen?

Gewaltandrohungen auf Facebook sind kein Kavaliersdelikt, keine harmlose Petitesse. Der Bad Pyrmonter Tierpark-Chef kann in dieser Woche ein Lied davon singen. Auch durch verbale Selbstjustiz wird eine Grenze überschritten, die nicht überschritten werden darf. Im Volksmund nennen wir es Rechtsstaat. Ich weiß, ein schrecklich unaufgeregter Begriff für alle, die sich im Zustand wutbürgerlicher Dauerempörung befinden, aber wir werden nicht müde, ihn auch auf Facebook ins Feld zu führen. Rechtsstaat, Botón_Me_gusta.svg

 

 

 

 

 

 

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