Osterfeuer, oder: Anarchie im Abfallparadies

Ganzseitiges Foto

Ohne Feuer wären wir Menschen – nichts. Geist, Geselligkeit, Zivilisation, alles begann am Lagerfeuer. Schätzungsweise ist das 1,8 Millionen Jahren her. Heute muss man sagen, zum Glück. Der gewisse zeitliche Abstand bewahrte unsere Vorfahren davor, auf Vertreter der Unteren Abfallbehörde des Landkreises Holzminden zu treffen. Nicht auszudenken, wie die Geschichte ausgegangen wäre. Strengen Blickes hätten die Beamten auf die „Verordnung über die Beseitigung von pflanzlichen Abfällen außerhalb von Abfallbeseitigungsanlagen (PflAbfVO) als Nachfolgeverordnung der Brennverordnung (BrennVO)“ hingewiesen, um den lodernden Feuerschein sogleich als „Verbrennen zum Zweck der Beseitigung außerhalb zugelassener Beseitigungsanlagen“ zu rügen. Das Lagerfeuer, Homo erectus, die Zivilisation, es wäre um sie geschehen.

Die historische Chance verpasst, versuchen die Beamten aus Holzminden heute, das Feuer wieder aus der Welt zu schaffen. Regelungswut soll es ersticken. Selbst zu Ostern will der Landkreis nichts, aber auch gar nichts anbrennen lassen, was in der Welt der Brandschutzverordnungen, Abfallvorschriften und Immissionsschutzregelungen nicht brennen darf. Wer seine Weihnachtstanne auf den Scheiterhaufen zerrt, steht aus Sicht der Behörde am Anfang einer kriminellen Karriere, weil er das Gehölz arglistig dem Abfallwirtschaftskreislauf entzieht. Um dem Frevel Einhalt zu gebieten, hat die Behörde die „Handlungshilfe Brauchtumsfeuer“ erstellt. Eine Gebrauchsanleitung, die praktisch jedes Osterfeuer als irreguläres Zündeln entlarvt.

So liegt bereits ein Verstoß vor, wenn Äste und Zweige „mehr als zwei Wochen“ vor dem Abbrennen angehäuft werden. Auch müssen Osterfeuer im Prinzip luftdicht verpackt oder an eine Absauganlage angeschlossen sein. Denn gelangt die Asche nicht vollumfänglich in eine Restmülltonne, liegt „mindestens eine Ordnungswidrigkeit nach Abfall-, Bodenschutz- oder Naturschutzrecht“ vor. Und natürlich darf auch die Auswahl des „holzhaltigen“ Brennmaterials nicht achtlos erfolgen. Wer die „Mindestaststärke von 8-10 cm“ unterschreitet, zeigt sich am besten gleich selbst an.

Aber auch wenn alles ordnungs-, frist- und normgerecht ist, bleibt ein Fallstrick. Der „öffentliche Charakter“ eines Osterfeuers sei nicht gegeben, wenn sich „nur Familie oder 2 Nachbarn“ versammeln. Um keinen Abbruch der Veranstaltung zu riskieren, sei hier empfohlen, einen dritten Nachbarn in Bereitschaft zu halten und darauf zu achten, dass alle Gäste Ausweispapiere bei sich tragen.

Eine Frage an die Müllpolizei in eigenem Interesse: Welche Strafe droht, wenn die dreiseitige „Handlungshilfe Brauchtumsfeuer“ nicht dem Papiermüll, sondern, sagen wir, einem Brauchtumsfeuer zum Zweck der Beseitigung zugeführt wird?

 

Zur erheiternden Lektüre, die „Handlungshilfe Brauchtumsfeuer“:

1a 001

2a 001

3a 001

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.