Rote Karte gegen Rechts

Die Landkarte der Gewalt ist um einen Schandfleck dichter geworden. Fast jeden Tag wird irgendwo in Deutschland eine Unterkunft für Flüchtlinge angegriffen, bevorzugt in ländlichen Regionen. Jetzt auch in Hameln-Pyrmont. Der Anschlag in Salzhemmendorf reißt uns aus mancher Illusion. Es ist schmerzhaft, aber der Funke, der es einst gewesen ist, wird zum Flächenbrand.
Fremdenfeindliche Hetze im Internet führt nicht automatisch zu Brandanschlägen, aber sie stigmatisiert, senkt Hemmschwellen, erzeugt ein Klima der Aggression. Es reicht nicht mehr, sich genervt aus solchen Debatten zurückzuziehen. Wir müssen den dumpfen Ressentiments und Sündenbock-Reflexen entgegentreten. Flagge zeigen für Toleranz und Rechtsstaat. Nicht defensiv, sondern mit allem Selbstbewusstsein. Denn wir sind die Mehrheit.
Auch Anfang der 1990er Jahre mussten Flüchtlinge in Deutschland um ihr Leben fürchten, nicht nur in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen, auch in Mölln und Solingen. Doch anders als damals gibt es heute eine breite, fühlbare Solidarität mit Flüchtlingen. Die amtlichen und ehrenamtlichen Helfer auch in unserem Landkreis können die vielen Hilfsangebote kaum noch bewältigen. Die enorme Aufnahme- und Hilfsbereitschaft der Menschen ist ebenso Teil der Wirklichkeit, gerade an einem entsetzlichen Tag wie heute sollte sie nicht in den Hintergrund treten.
Aber es geht spätestens seit heute nicht mehr nur darum zu spenden. Wir müssen aufstehen und dem rechten Parolengeschmetter die rote Karte zeigen.

 

 

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