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Das Strafmaß macht den Graben tiefer

Na, klar: Einen Vergleich mit Robert Hoyzer hätte Josef Selensky auf der Siegerehrung des Dewezet-Supercups nicht treffen dürfen. Er hätte Kritik üben, seine Meinung sagen können. Schiedsrichter Lukic in eine Schublade mit dem verurteilten Schiri-Betrüger aus Berlin zu stecken, war aber die Überschreitung einer Grenze, die eben nicht hätte überschritten werden dürfen.

Dass das Sportgericht nun zur Tat schreitet, war vorprogrammiert. Dass es zu einer Strafe kommen würde, auch. Das Strafmaß ist allerdings überzogen. Und zwar deutlich. Zumal dadurch kein Problem aus der Welt geschaffen wird, kein Umdenken stattfindet. Dieses Urteil hat nicht zum gegenseitigen Verständnis beigetragen. Es hat den ganz offensichtlich vorhandenen Graben zwischen Spielern und Schiedsrichtern tiefer, breiter, unüberwindbarer gemacht?

Warum hat es nicht eine Aussprache gegeben? Bei jedem kleinsten Problemchen wird ein „runder Tisch“ ins Leben gerufen. Wäre ein solcher in genau diesem Fall nicht auch endlich mal angebracht? Es wäre zumindest eine gute Gelegenheit, zur Sprache zu bringen, was falsch läuft. Auf beiden Seiten. Es muss doch diskutiert werden, wie man in Zukunft respektvoller miteinander umgehen kann. Das dürfte beiden Seiten am Herzen liegen. Denn miteinander reden ist immer besser als aus der Entfernung übereinander.

Das würde einen präventiven Sinn machen. Harte Strafen mögen in so mancher Situation Probleme lösen. Diese Strafe bewirkt aber genau das Gegenteil.

Es geht um gegenseitigen Respekt!

Jeder Cent des Eintrittsgelds war bestens angelegt. Denn der 8. Dewezet-Supercup hatte wirklich alles zu bieten: Überraschungen, tolle Tore, Stimmung und Randgeschichten. Leider aber auch Emotionen, die bei einem solch positiven Event nichts zu suchen haben. Für echten Zündstoff sorgte auch der Satz von 74-Kapitän Josef Selensky während der Siegerehrung: „Bis zum 2:0 lief alles gut, bis ein Robert Hoyzer kam.“ Darüber ist anschließend lebhaft diskutiert worden. Betrachtet man das Spiel im Nachgang ganz nüchtern, war es vor allem die Zwei-Minuten-Strafe gegen Selensky selbst, die Schiedsrichter Alexander Lukic falsch getroffen hat.

Als der SG-Spieler mit Bisperodes Daniel Krikunenko in vollem Lauf zusammenprallte, hatte er keine Chance auszuweichen. Vielmehr musste er seine ganze Kraft aufwenden, nicht mit dem Kopf gegen die Oberkante der Bande zu preschen. Das Gegentor zum 2:2 resultierte aber, als auch die Bisperoder einen Mann weniger auf der Platte hatten. Die Überzahl kam einzig zustande, weil TSV-Trainer Werner Brennecke Krikunenko für Keeper Robin Bartels als zusätzlichen Feldspieler installiert hatte. Und das Gegentor fiel nach einem kapitalen Fehler von SG-Torwart Frederik Quindt. Das zum Spiel selbst.

Die entscheidende Frage: Darf 20 Minuten später ein Vergleich mit Robert Hoyzer aufgestellt werden? Dem Schiedsrichter, der sich bestechen ließ und dem deutschen Fußball vor genau zehn Jahren massiv und nachhaltig schadete. Ein verurteilter Betrüger. Die klare Antwort: Nein!

Aber: Selensky hat damit zugleich einen wichtigen Stein ins Rollen gebracht. Er hat die Art und Weise angeprangert, wie manch Unparteiischer seine Rolle als Spielleiter interpretiert. Damit hat er einen wunden Punkt getroffen. Denn er hat ganz offensichtlich – auch das zeigen die Reaktionen – vielen Fußballern aus der Seele gesprochen.

Fest steht: Ein Dialog muss her – sachlich, kritisch, freundschaftlich. Weil nur durch Kommunikation abseits des Spielfeldes ein gegenseitiges Verständnis geweckt werden kann. Denn es geht dabei darum, dass eines schnellstens (wieder) her muss: Der gegenseitige Respekt! Das gilt für beide Seiten. Für Spieler und für Schiedsrichter.