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Viktoria – die Facebook-Königin

Sorry, der VfL ist nicht die Nummer eins. Hamelns Oberliga-Handballer haben bei Facebook nicht – wie irrtümlich berichtet – die meisten „Gefällt mir“-Klicks der lokalen Sportvereine. Unter den weltweit 1,4 Milliarden Nutzern, die sich mindestens einmal pro Monat bei Facebook einloggen, haben wir bei der Recherche für die inoffizielle Top Ten des Hameln-Pyrmonter Sports einen kleinen Verein im Dschungel des World Wide Web versehentlich übersehen: den FC Viktoria Hameln.

. Dewezet-Artikel vom 4. März 2015

Darauf hat uns Vereinschef Thorsten Gromotka aufmerksam gemacht. Der 47-Jährige hat den am 4. März veröffentlichten Dewezet-Artikel über die Gefällt-mir-Angaben der heimischen Sportklubs bei Facebook mit Interesse gelesen, „aber das Top-Ten-Ranking ist nicht korrekt“, so Gromotka. Denn ausgerechnet sein Verein, der eigentlich die klare Nummer eins sein müsste, fehlt in der inoffiziellen Rangliste. Der erst vor einem Jahr neu gegründete Fußball-Club aus der 3. Kreisklasse hat – Stand 11. März – mit über 2000 „Gefällt mir“-Klicks mehr als doppelt so viele Facebook-Fans wie die Oberliga-Handballer des VfL (946). Und von Tag zu Tag werden es mehr. Die 2000er-Marke wurde heute Nachmittag geknackt. Gromotkas Bruder Carsten, der 2. Vorsitzender ist, postet fleißig aktuelle News, Bilder und Videos via Facebook – und steigert so den Bekanntheitsgrad des gerade einmal ein Jahr jungen Vereins, der über das soziale Netzwerk auch schon einige Neuzugänge und Sponsoren gewinnen konnte.

FC Viktoria Hameln Screenshot

. Screenshot: www.facebook.com/FcViktoriaHameln

Übrigens: Mit 482 „Gefällt mir“-Klicks hat der DT Hameln sein Ergebnis innerhalb der letzten Woche mehr als verdoppelt und inzwischen den FC Preußen Hameln (423) überholt. So schnell geht das im Internetzeitalter.

Ist euer Verein oder eure Mannschaft auch bei Facebook oder anderen sozialen Netzwerken aktiv?   

#technikeristinformiert – Wie eine defekte Tür zum viralen Hit wurde

Den Ärger über kaputte Sachen, die lange nicht repariert werden, kennen vermutlich die meisten. Gut, wenn es da eine Möglichkeit gibt, diesem Ärger Luft zu machen und ihn in etwas Positives zu verwandeln. Humor ist dafür immer wieder ein gutes Mittel.

Humor beweisen gerade auch viele Menschen an der Universität Mainz. Dort ist bereits seit Dezember die Seitentür eines Lehrgebäudes (des Philosophicums) nicht mehr benutzbar. „Defekt – Techniker ist informiert“, heißt es auf einem Hinweisschild. So weit, so normal. Nachdem sich jedoch mehrere Wochen nichts an dem Zustand geändert hatte, ergänzte ein unbekannter Scherzbold das Schild um den Hinweis „Techniker ist auch defekt“ und der Wahnsinn nahm seinen Lauf.

Innerhalb weniger Tage kamen unzählige neue Zettel mit Kommentaren, Witzen und ausgedruckten Memes hinzu. Auf diesen sagt beispielsweise Walter Ulbricht „Niemand hat die Absicht einen Techniker zu informieren“, MacGyver fragt „What do you mean duct tape won’t fix it?“ und Boromir (Herr der Ringe) stellt knallhart fest „One does not simply inform the Techniker“. Ein Fest der politischen, gesellschaftlichen und popkulturellen Anspielungen.

Mittlerweile bahnt sich die Geschichte der defekten Tür auch ihren Weg durchs Internet. Es gibt eine Facebook-Seite, auf der sich binnen zweier Tage über 5000 Likes angesammelt haben, mehrere Zeitungsartikel und Radiobeiträge zum Thema und dank einer Austauschstudentin hat es die Geschichte auch schon über den großen Teich geschafft. Unter dem Hashtag technikeristinformiert wird auch in den diversen sozialen Netzen fleißig geteilt und kommentiert. Der Ausgangspunkt des Internet-Hypes lässt sich nur schwer rekonstruieren, liegt aber vermutlich bei einem englischsprachigen Foto-Blog auf Imgur. Dieser wurde auf reddit geteilt und damit ist die „virale Philo-Tür“ – so der Name der Facebook-Seite – nun weit über die Grenzen von Mainz bekannt.

Über den Sinn und Unsinn dieser Art von Internet-Hits und die Frage, ob die Reaktionen auf eine defekte Tür wirklich so viel Aufmerksamkeit verdienen, ließe sich nun wieder trefflich streiten. Auf jeden Fall beweist die Geschichte eines: Mit Humor lässt sich vieles leichter ertragen – auch wenn es sich nur um eine kaputte Tür handelt.

 

HINWEIS: In dem Text sind die Facebook-Seite sowie weitere Internetseiten, auf denen es um die „Philo-Tür“ geht, verlinkt. Leider werden die Links nicht farblich markiert angezeigt, sondern sind nur zu sehen, wenn man per Maus drüber geht. Damit die Link-Suche nicht allzu frustrierend wird, hier die Begriffe, die oben im Text angeklickt werden können: Memes, Facebook-Seite, Zeitungsartikel, Radiobeiträge, Austauschstudentin, Imgur, reddit.

Waren wirklich 900 Demonstranten bei der Mahnwache?

Zwar hat sich der Hamelner Pegida-Ableger Hamgida letztendlich doch nicht auf die Straße getraut. Doch das Schlachtfeld Facebook haben sie zumindest mit ihrem Vokabular in Beschlag genommen. Schlagwörter wie „Lügenpresse“ haben sich auch in Hameln verselbstständigt und den Weg in den Sprachgebrauch vieler Menschen gefunden – und damit auch der implizierte Vorwurf, dass Zeitungen, wie die unsere, nicht die Wahrheit berichten.

Nachdem Hamgida wohl erkennen musste, dass man kaum Menschen auf die Straße bringen würde, konzentrierten sich die Organisatoren am Tag und in den Stunden nach der Mahnwache nun darauf, den Schlachtruf der Lügenpresse zu untermauern. Dazu dienen unter anderem Bilder, mit denen gezeigt werden soll, dass bei der Mahnwache wesentlich weniger, als die von Medien (auch uns) veranschlagten 900 Demonstranten anwesend waren.  Und tatsächlich: Die Bilder, aus Fenstern umliegender Häuser aufgenommen, lassen keine 900 erkennen. Auch bei der Berichterstattung vor Ort hätte ich persönlich die Anzahl bei weitem nicht auf 900 geschätzt. Selbst die zuvor von der Polizei kolportierten 800 hielt ich für übertrieben. Trug die Zahl trotzdem so weiter, denn es ist aus gutem Grund allgemeine Praxis, die Schätzung der Teilnehmerzahlen der Polizei zu überlassen und nicht selbst etwas zu behaupten. Im Zweifelsfall – wenn er abweichende Zahlen präsentiert – sollte noch der Veranstalter zu Wort komme. Nicht aber Gegner der Veranstaltung oder unbeteiligte Menschen, die in sozialen Medien die Teilnehmerzahl schätzen.

Dass allerdings auch die Polizei meist kein ganz neutraler Beobachter ist, wissen regelmäßige Demo-Gänger wohl aus eigener Erfahrung. Bei Demonstrationen, die sich gegen Staat, Obrigkeit, oder – Gott bewahre – gar Polizeigewalt wenden, werden oft überraschend wenige Demonstranten von der Polizei gezählt. Anders bei Veranstaltungen von offizieller Seite, bei denen die Schätzungen der Polizei oft deutlich über der Realität zu liegen scheinen.

Und wenig überraschend wird die Polizei eine Mahnwache, zu der Bürgermeister und Stadt aufgerufen haben, nicht kleiner reden als sie ist. Und die Möglichkeit, dass aus Gefälligkeit ein paar hundert Demonstranten mehr geschätzt werden, kann man auf jeden Fall nicht ausschließen.

Schlachtfeld Facebook – Gute Nacht Abendland?

Viele schöne Dinge hört man zum Thema Facebook und Zeitung bei Seminaren und Konferenzen. Kontaktaufnahme mit dem Leser in Echtzeit. Themen diskutieren und vielleicht sogar noch den einen oder anderen Aspekt in den Print-Artikel für den kommenden Tag mit einbauen. Sich öffnen, neue Wege beschreiten. Alles in Höchstgeschwindigkeit und basisdemokratisch. Jeder darf sich äußern, jeder wird gehört.

Klingt nach der schönen neuen Welt, die nur das Internet ermöglicht. Leider ist diese schöne neue Welt am Mittwoch zu einer Welt geworden, mit der wir so nicht mehr klar gekommen sind. Den ohnehin schon häufig ruppigen Umgang mit Meinungen anderer und die täglichen Beleidigungen anderer Nutzer auf unserer Facebook-Seite konnten wir noch nie nachvollziehen. Leider haben wir uns aber im Laufe der Zeit irgendwie an das teils erschreckend niedrige Niveau einiger Meinungsäußerungen gewöhnt. Am Mittwochabend brachen nach unseren Beiträgen über die Vorgänge am Amtsgericht und dem Sana-Klinikum aber alle Dämme des guten Benehmens und der Rechtsstaatlichkeit:

Es wurde beleidigt, gehetzt und diffamiert. In vielen Fällen haben Nutzer in ihren Beiträgen mit spielerischer Leichtigkeit die Latte zum Straftatbestand der „Volksverhetzung“ gerissen, während die Diskussionsgegner ebenso leichtfüßig mit Gewalt, Mord und Folter drohten. Ein schier unerträgliches Schlachtfeld aus mangelnder Toleranz, Hass, und schlecht gelebter Integration auf beiden Seiten. Wir haben in der Nacht zu Donnerstag die Reißleine gezogen und sämtlich Beiträge gelöscht. Mehr als 800 Kommentare waren aufgelaufen von denen mehr als 650 wenig bis nichts mit dem Thema, dafür umso mehr mit Vorurteilen und Verurteilungen zu tun hatten. Eine Flut, die wir weder erwartet haben, noch bewältigen konnten.

Am Freitag sind wir neu durchgestartet. Mit strengeren Regeln und dem Vertrauen, dass alle etwas dazu gelernt haben. Schließlich schreibt sich das viel zitierte Abendland ja eine ausgeprägten Gesprächs- und Diskussionskultur und nicht nicht zuletzt die Demokratie mit Freiheiten und Pflichten auf die Fahne.

Dann mal los!