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Pegida, Hamgida, und jetzt?

Es war abzusehen: Wer auf der Pegida-Welle schwimmt, entdeckt eines Tages, dass Politiker, Journalisten und Muslime auch in Hameln ein glückliches Leben führen und die Stadt damit die Grundvoraussetzungen für den Untergang des Abendlandes erfüllt. Einige Wochen vergingen bis zur virtuellen Geburt, aber jetzt ist sie da: die „Hamgida“, die nicht Hamburg oder Hamm retten möchte, sondern Hameln. Ich bin nicht amüsiert, aber ehrlich gesagt auch nicht sonderlich alarmiert. Hameln ist nicht Dresden. Und unsere Werteordnung wackelt nicht gleich, nur weil sich einige wenige Protestfolkloristen montags abends von ihren eigenen Facebook-Tiraden gelangweilt fühlen und auf die Straße gehen. Wer genau hinschaut, erkennt unter den Wortführern der „Hamgida“ unschwer rechtsradikale Gesinnungstäter, die sich eine neue, scheinbar salonfähige Plattform geschaffen haben. Es sind die üblichen Trittbrettfahrer der Angst und Wut. Wer auf sie hereinfällt, darf sich nicht beklagen, in die rechte Ecke gestellt zu werden – er steht mittendrin.

Friedlich zu demonstrieren, verspricht die selbsternannte Abendland-Polizei auch in Hameln. Einer ihrer Protagonisten indes war in den letzten Tagen so frei, sich auf Facebook damit zu brüsten, wie er beim „Hagida“-Protest in Hannover „zwei Zecken und einen Bullen attackiert“ habe  –  das ist großes Kino, wenn man gerade eine „gewaltfreie“ Veranstaltung über die Bühne bringen möchte.

Wir können „Hamgida“ nicht ignorieren, und leider wächst die Bedeutung dieses spärlichen Ensembles im Spiegel jeder öffentlichen Betrachtung. Das sollte man nicht ohne Not befördern. Es grenzt an Satire, wenn in Hannover 150 Rechtspopulisten „Wir sind das Volk“ skandieren und gerade mal 200 Meter Wegstrecke schaffen, weil ihnen 19000 Gegendemonstranten gegenüberstehen. Angesichts dieser Proportionen müsste sich die Frage, wer Integrationsprobleme hat, auch dem letzten „Hagida“-Mitläufer neu gestellt haben. Die Gegendemo am Montag war als einmaliger Akt genau das richtige Signal zur richtigen Zeit, eine beeindruckende Aktion. Aber à la longue laufen sich die kleinen Pegidas von ganz allein am schnellsten die Sohlen ab.