Über Wandersmanns und -fraus Eiche

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In meinem Mailpostfach landet der Vorwurf, die Redaktion verbreite ein Macho-Weltbild, in dem Frauen nicht vorkämen. „Sie erwecken immer wieder einmal den Eindruck, als dürften auch in Deutschland ausschließlich Männer in der Öffentlichkeit erscheinen“, beklagt eine Leserin. Dazu möchte ich gerne etwas sagen.

Was ist passiert? Uns ist ein Fehler unterlaufen. In einem Bericht über die rührende Liebeserklärung eines Menschen aus Syrien an seine neue Heimat Aerzen, festgehalten in einem Gästebuch an einem Gedenkort für Auswanderer, hat die Redaktion aus dem Namen „Nour“  fälschlicherweise auf das männliche Geschlecht des Besuchers geschlossen. Tatsächlich handelt es sich um eine Besucherin. Für diesen Fehlschluss bitte ich um Entschuldigung. Aber ganz sicher stecken keine patriarchalen Allmachtsfantasien dahinter. Keineswegs wollten wir, wie unterstellt, den Eindruck erwecken, als sei „dieser Ort ausschließlich für männliche Menschen gedacht“.

Die Kritik erscheint mir etwas überzogen. Gemeint ist vielleicht, wir würden achtlos mit der deutschen Sprache umgehen, die im Genus oft männlich bleibt, auch wenn Männer und Frauen gemeint sind. Tatsächlich war es Erich Schütte (über dessen Geschlecht hier nicht spekuliert werden soll), der den Ort des Geschehens genderpolitisch nicht ganz ausgewogen in „Wandersmanns Eiche“ taufte. Womöglich liegt hier der Hund begraben (Hunde- und Hündinnenhalter*innen mögen diesen Satz bitte nicht als diskriminierend empfinden), denn immerhin schaffte es der Chauvi-Begriff bis in unsere Überschrift. Ich mag gar nicht darüber nachdenken, was im Postfach läge, stünde die Eiche nicht am harmlosen Schierholzberg, sondern in den Herrenhäuser Gärten. Es ist so schon skandalös genug. Nicht mal ein zartes Olivenbäumchen haben wir hinzugedichtet. Ohne jeden sprachpolizeilichen Begleitschutz trifft so eine junge syrische Frau auf die geballte Symbolik von Männlichkeit und Deutschtum. Und bedankt sich sogleich für die freundliche Aufnahme. Ich finde, eine  wahrhaft hoffnungsstiftende Geschichte in diesen Zeiten. Wäre da nicht im Gästebuch dieser eine, arglos nachgeschobene Satz: „I’m trying to learn the German language.“

 

 

 

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